logo
Zurück zu Island

Die Westfjorde

5-7 Tage600 kmAnspruchsvoll
Routenverlauf

Routenverlauf

StartpunktHighlightEndpunkt
Über diese Tour

Über diese Tour

Die Westfjorde sind geologisch der älteste Teil Islands, ein vor 16 Millionen Jahren geformtes Plateau, das von Gletschern in tiefe Furchen gepflügt wurde. Während der Rest der Insel unter dem Ansturm des Massentourismus entlang der Ringstraße ächzt, bleibt dieser nordwestliche Ausläufer ein Refugium für jene, die Schotterpisten nicht als Hindernis, sondern als Taktgeber begreifen. Hier oben leben nur etwa 7.000 Menschen auf einer Fläche, die fast so groß ist wie Schleswig-Holstein. Das bedeutet für dich im Wohnmobil: Du teilst dir den Asphalt – oder das, was davon übrig ist – primär mit Schafen und den Schatten der Sturmvögel. Historisch gesehen war diese Region das Zentrum des isländischen Fischfangs, eine isolierte Welt, in der die Sagas von Hexenprozessen und hartem Überlebenskampf berichten. Wenn du mit deinem Camper die ersten Steigungen der Straße 60 erklimmst, spürst du die thermische Dynamik der Arktis. Der Geruch von salziger Gischt mischt sich mit der trockenen Note von verwittertem Stein. Die Fahrphysik ändert sich hier grundlegend. Dein Blick wandert weg vom Navigationsgerät hin zu den Wolkenformationen über dem Nordatlantik, denn das Wetter hier oben folgt keinen Vorhersagen, sondern eigenen physikalischen Gesetzen. Wer hierher kommt, sucht nicht den Komfort, sondern die raue Textur der Erdkruste.

Etappen

Deine Reise im Detail

🦅Vom Fischerdorf zum Donnern: Der Sprung über den Breiðafjörður

Deine Reise beginnt in Stykkishólmur [65.0758, -22.7268], einem Ort, dessen bunte Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert dem Wind trotzen, der hier konstant mit 15 bis 20 Knoten aus Nordwest weht. Anstatt die mühsame Landverbindung über 250 Kilometer zu nehmen, nutzt du die Fähre 'Baldur'. Die Überfahrt dauert drei Stunden und kostet für einen Camper unter 6 Metern inklusive zwei Personen rund 145 Euro. Du sparst Zeit, aber vor allem gewinnst du die Perspektive vom Wasser auf die über 3.000 Schären des Breiðafjörður. Nach dem Anlegen in Brjánslækur führt dich der Weg direkt auf die Straße 62. Dein Ziel ist der Dynjandi-Wasserfall [65.734, -23.2]. Er ist kein einzelner Fall, sondern eine Kaskade aus sieben Stufen, die sich wie ein weißer Brautschleier über 100 Meter in die Tiefe stürzt. Der Parkplatz ist kostenlos, doch der Boden ist oft aufgeweicht – achte auf die Traktion deines Fahrzeugs. Der Aufstieg zum Fuß der Hauptkaskade dauert etwa 15 Minuten. Hier oben hörst du nichts außer dem dumpfen Grollen der 30 Kubikmeter Wasser, die pro Sekunde über die Kante donnern. Es gibt keinen Absperrzaun, nur den feinen Nebel auf deiner Haut. Übernachten kannst du auf dem Stellplatz 'Tjaldsvæðið við Dynjanda', der sehr simpel gehalten ist (ca. 12 Euro/Person), aber einen unbezahlten Blick auf den Fjord bietet, wenn die Mitternachtssonne den Basalt in ein unnatürliches Violett taucht.

💧Das Herz der Fjorde: Tunnel-Abzweigungen und die Hauptstadt des Nordwestens

Der Weg von Dynjandi nach Ísafjörður ist eine fahrtechnische Lektion in Geduld. Die Straße 60 ist auf weiten Strecken nicht asphaltiert. Hier zählt nicht das Tempo, sondern die Reifendruckkontrolle. Du passierst den Hrafnseyrarheiði-Pass, wo die Steigungen 12 Prozent erreichen und die Leitplanken oft fehlen. Der Untergrund besteht aus grobem Schotter und vulkanischem Sand – halte das Lenkrad fest umschlossen, wenn die Böen seitlich in den Aufbau greifen. Ein logistisches Kuriosum erwartet dich kurz vor Ísafjörður: der Vestfjarðagöng. Dieser 9,1 Kilometer lange Tunnel ist nicht nur einspurig mit Ausweichbuchten alle 200 Meter, sondern beherbergt in seinem Inneren eine T-Kreuzung. Mitten im Berg entscheidest du dich zwischen den Richtungen Bolungarvík und Ísafjörður. In Ísafjörður [66.0749, -23.1319] angekommen, spürst du die maritime Geschichte. Besuche das 'Tjöruhúsið', ein Restaurant in einem Gebäude von 1781. Hier gibt es kein Menü, sondern das, was die Fischer morgens angelandet haben – meist Kabeljau oder Steinbeißer, in Butter gebraten für etwa 45 Euro pro Person im Buffet-Stil. Der lokale Campingplatz (ca. 18 Euro) bietet moderne Duschen und – entscheidend für Camper – eine der wenigen Möglichkeiten in der Region, Grauwasser fachgerecht zu entsorgen. Nutze die Zeit, um die Vorräte aufzufüllen, denn weiter westlich werden die Supermarktregale merklich leerer.

🏔️Am Ende der Welt: Die Klippen von Látrabjarg

Die finale Etappe führt dich an den westlichsten Rand Europas: Látrabjarg [65.5016, -24.5333]. Die Anfahrt über die Straße 612 ist eine 60 Kilometer lange Rüttelpiste. Hier zeigen sich die Grenzen von Standard-Wohnmobilen; Fahrzeuge über 7 Meter Länge sollten diese Strecke bei Regen meiden, da der Schlamm extrem rutschig wird. Die Klippen selbst ragen bis zu 441 Meter fast senkrecht aus dem Atlantik und erstrecken sich über 14 Kilometer. Zwischen Mai und Mitte August ist dies die Heimat von Millionen von Seevögeln. Du kannst dich bis auf einen Meter an die Papageitaucher herantasten, die hier völlig furchtlos in ihren Erdhöhlen brüten. Das sensorische Erlebnis ist intensiv: Der beißende Geruch von Guano vermischt sich mit dem ohrenbetäubenden Lärm der Dreizehenmöwen. Es gibt hier keine Zäune – nur die Warnung, sich auf den Bauch zu legen, wenn man über die Kante blicken will, da die Grasnarbe oft unterhöhlt ist. Nach diesem Erlebnis trittst du den Rückweg über Patreksfjörður nach Stykkishólmur an. Die Route schließt sich, und du wirst merken, dass dein Camper nun eine feine Schicht aus hellem Staub trägt, die sich in jede Dichtung gefressen hat. Es ist das Souvenir einer Region, die keine Kompromisse macht.

Reisetipps

💡Praktische Tipps

  • ✓Dein Fahrzeug muss für diese Route technisch einwandfrei sein. Die Steigungen am Hrafnseyrarheiði erreichen 12 %, und viele Pisten bestehen aus losem Schotter (Gravel). Mietwagenfirmen schließen Schäden am Unterboden und durch Steinschlag oft aus – prüfe deine Versicherung explizit auf 'Gravel Protection'. Fahrzeuge über 7,5 Meter Länge haben in den engen Kehren der Passstraßen und im einspurigen Tunnel Probleme bei Gegenverkehr. Maut gibt es keine, aber die Fähre Baldur sollte mindestens 48 Stunden im Voraus gebucht werden, besonders in der Hochsaison.
  • ✓Die Reisezeit ist auf das Fenster zwischen Mitte Juni und Ende August begrenzt. Vorher sind viele Pisten wegen Schneematsch (Aurboði) gesperrt, danach drohen die ersten Herbststürme mit Windgeschwindigkeiten über 100 km/h, die ein Wohnmobil mühelos umwehen können. Die Papageitaucher verlassen Látrabjarg pünktlich Mitte August. Wenn du die Mitternachtssonne erleben willst, plane die Reise um den 21. Juni. Zu dieser Zeit sinkt die Sonne nie unter den Horizont, was dir 24 Stunden Fahrlicht garantiert, aber deinen Biorhythmus fordert.
  • ✓Versorgung ist in den Westfjorden kritisch. Tanke in Ísafjörður oder Patreksfjörður immer voll, auch wenn der Tank noch halb leer ist. Die nächste Zapfsäule kann 100 Kilometer entfernt sein. Ein Liter Diesel kostet ca. 315 ISK (etwa 2,15 €). Supermärkte wie 'Bónus' findest du nur in Ísafjörður; kleine Dorfläden haben oft eingeschränkte Sortimente und Preise, die 30 % über dem Landesdurchschnitt liegen. Die Entsorgung von Chemietoiletten ist nur auf offiziellen Campingplätzen erlaubt – illegales Entleeren führt zu drastischen Strafen und zerstört die empfindliche Tundra.

Auf einen Blick

⏱️

Dauer

5-7 Tage

📏

Strecke

600 km

🏔️

Schwierigkeit

Anspruchsvoll

Highlights

  • ⭐Dynjandi Wasserfall
  • ⭐Látrabjarg Vogelklippen
  • ⭐Ísafjörður
CamperPassenden Camper finden