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Die Ringstraße (Route 1)

10-14 Tage1340 kmMittel
Routenverlauf

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Über diese Tour

Über diese Tour

Die Ringstraße (Pjóðvegur 1) wurde erst 1974 vollständig geschlossen, als die letzte Brücke über die Skeiðarársandur-Ebene fertiggestellt wurde. Zuvor war eine komplette Umrundung der Insel unmöglich. Heute ist sie das logistische Rückgrat Islands, eine 1.340 Kilometer lange Schleife, die sich größtenteils zweispurig, aber oft schmal durch eine Landschaft zieht, die so jung ist, dass man den Schlamm der Erdgeschichte noch riechen kann. Für dich im Wohnmobil bedeutet diese Straße eine konstante Auseinandersetzung mit der Physik. Der Wind, der ungehindert von Grönland herüberpeitscht, trifft die Seitenwand deines Campers mit einer Wucht, die bei Böen von über 20 m/s das Fahrzeug von der Fahrbahn hebeln kann. Es riecht nach feuchtem Moos, verfaulten Eiern (dem allgegenwärtigen Schwefelwasserstoff) und dem metallischen Duft von Gletschereis. Die Route führt dich durch Landschaften, die den Blick für Maßstäbe verzerren. Wo man eben noch glaubte, ein kleiner Hügel liege vor einem, entpuppt sich dieser als massives Gebirgsmassiv. Die Fahrbahn selbst ist zu 98 % asphaltiert, doch die Brücken sind eine Besonderheit: 39 einspurige Brücken (Einbreið brú) erfordern defensives Fahren und den Blickkontakt zum Gegenverkehr. Wer zuerst an der Brücke ist, hat Vorfahrt. In der Camper-Kabine hörst du das rhythmische Schlagen der Reifenstöße auf den Brückenschwellen und das Prasseln kleinster Lavasteine in den Radkästen, sobald du auf die wenigen verbliebenen Schotterstücke ausweichst. Hier geht es nicht um Geschwindigkeit; die Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h ist bei isländischen Windverhältnissen oft schon das absolute Limit der Fahrstabilität.

Etappen

Deine Reise im Detail

🌋Vom Dampf der Erde in den Süden: Reykjavik und der Goldene Zirkel

Dein Startpunkt ist Reykjavik [64.1466, -21.9426]. Die Hauptstadt ist der letzte Ort für einen Großeinkauf bei 'Bónus' oder 'Krónan', bevor die Preise in den entlegenen Regionen um bis zu 15 % steigen. Dein erster Stopp führt dich zum Golden Circle [64.2558, -20.211]. Hier zeigt Island seine touristische Effizienz. Der Parkplatz am Gullfoss kostet etwa 750 ISK (ca. 5 €) für PKW, Wohnmobile zahlen oft mehr oder parken auf speziellen Flächen. Die Luft am Geysir Strokkur ist gesättigt mit Wasserdampf und Schwefel. Alle 6 bis 10 Minuten schießt eine 20 Meter hohe Wassersäule in den Himmel. Die Temperatur des Wassers beträgt beim Austritt 80 bis 100 Grad Celsius. Kulinarisch solltest du im nahegelegenen Efstidalur II [64.2386, -20.5054] halten – ein Bauernhof-Café, in dem du durch eine Glasscheibe den Kühen beim Melken zusehen kannst, während du hausgemachtes Milcheis für 600 ISK (ca. 4,20 €) isst. Übernachtung: Der Campingplatz in Hveragerði (63.9984, -21.1834) ist eine strategische Wahl. Hier gibt es Erdwärme direkt unter den Stellplätzen, was die Entsorgungsstationen auch im späten Herbst eisfrei hält. Die Gebühr liegt bei 2.000 ISK (ca. 14 €) pro Person. Ein Stromanschluss kostet zusätzlich 1.000 ISK. Warnung: Die Fahrt über die Hellisheiði-Hochebene zwischen Reykjavik und dem Süden ist berüchtigt für plötzlichen Nebel und starke Böen. Achte auf die digitalen Anzeigetafeln des Straßenamtes (Vegagerðin), die Windgeschwindigkeit und Temperatur in Echtzeit anzeigen.

🧊Das Knacken des Eises: Die Gletscherlagune Jökulsárlón

Die Fahrt entlang der Südküste auf der Route 1 ist geprägt von der massiven Präsenz des Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas außerhalb der Arktis. Die Straße verläuft hier zwischen den steilen Basaltwänden der alten Küstenlinie und dem weiten, schwarzen Sand des Skeiðarársandur. Dein Ziel ist Jökulsárlón [64.0784, -16.2306]. Wenn du den Motor deines Campers abstellst, hörst du das tiefe Grollen und Knacken der Eisberge, die vom Breiðamerkurjökull abbrechen. Das Wasser der Lagune ist bis zu 248 Meter tief. Parke nicht nur am Hauptparkplatz, sondern fahre über die Brücke zum 'Diamond Beach'. Hier werden die Eisbrocken vom Meer an den schwarzen Sandstrand gespült. Der Kontrast zwischen dem glasklaren Eis und dem tiefschwarzen Lavastrand ist ein haptisches Erlebnis; das Eis fühlt sich glatter an als jedes Glas. Stellplatz-Logistik: Das Übernachten auf Parkplätzen ist in Island seit 2015 strikt untersagt, besonders in Nationalparks. Nutze den Campingplatz in Höfn [64.2584, -15.2031]. Der Platz ist einfach, bietet aber einen Blick auf die Gletscherzungen. Preis: 1.800 ISK pro Person. In Höfn ist die lokale Spezialität Kaisergranat (Langustenschwänze). Ein Abendessen im Restaurant 'Pakkhús' kostet dich für eine Portion Langustenschwänze in Butter etwa 6.500 ISK (ca. 45 €). Fahrtechnische Warnung: Östlich von Jökulsárlón führt die Straße durch die Almannaskarð-Tunnel. Früher ging der Weg über einen extrem steilen Pass (16 % Steigung), der heute gesperrt ist. Dennoch bleiben die Brücken in den Ostfjorden eine Herausforderung. Viele sind hölzern beplankt und werden bei Nässe extrem rutschig für schwere Wohnmobile.

🐋Der Norden und der Westen: Akureyri und die Halbinsel der Sagen

Nach der Durchquerung der einsamen Ostfjorde erreichst du Akureyri [65.6835, -18.0878], die 'Hauptstadt des Nordens'. Die Stadt liegt geschützt am Ende des 60 km langen Eyjafjörður. Das Klima ist hier oft stabiler und trockener als im Süden. Der Stellplatz Hamrar (65.6480, -18.1171) ist einer der besten des Landes, weitläufig und mit moderner Infrastruktur für 2.200 ISK pro Nacht. Die Route führt weiter nach Westen Richtung Snæfellsnes [64.7978, -23.7803]. Diese Halbinsel wird oft als 'Island in Miniatur' bezeichnet. Du fährst entlang der Nordküste am markanten Berg Kirkjufell vorbei. Die Straße 54, die die Halbinsel umrundet, ist teilweise geschottert und verlangt deinem Fahrwerk alles ab. Staub dringt in jede Ritze der Türdichtungen. Der Endpunkt der Reise ist die Rückkehr nach Reykjavik. Der Kreis schließt sich nach exakt 1.340 Kilometern. Die Fahrgeräusche ändern sich wieder von dem hohlen Klang der Schotterpisten zum gleichmäßigen Summen auf dem frischen Asphalt der Hauptstadtregion. Du hast die Insel umrundet, aber die Logistik endet erst bei der gründlichen Reinigung des Fahrzeugs. Der feine Vulkansand setzt sich in den Bremsen und Filtern fest. Eine Hochdruckreinigung (an fast jeder Tankstelle kostenlos) ist obligatorisch, um teure Schäden bei der Fahrzeugrückgabe zu vermeiden. Die Reise endet, wo sie begann, aber der Geruch von verbranntem Diesel und salziger Meeresluft wird noch tagelang in deiner Kleidung hängen.

Reisetipps

💡Praktische Tipps

  • ✓Das Fahrzeug muss zwingend windfest sein. Für die Ringstraße reicht ein 2WD-Camper aus, solange du auf der Route 1 bleibst. Sobald du jedoch Abstecher ins Hochland (F-Straßen) planst, ist ein 4x4-Antrieb gesetzlich vorgeschrieben. Achte auf die Tunnelmaut im Vaðlaheiðargöng bei Akureyri: Es gibt keine Mauthäuschen. Du musst dein Kennzeichen innerhalb von 24 Stunden online auf veggjald.is registrieren und ca. 1.500 ISK (10 €) zahlen, sonst verdoppelt sich der Preis durch Gebühren der Vermieter. Die maximale Fahrzeughöhe ist bei den meisten Brücken kein Problem, aber die Breite von 2,50 m sollte nicht überschritten werden, um den Gegenverkehr auf den einspurigen Brücken nicht zu blockieren.
  • ✓Timing ist eine Frage der Belastbarkeit. Von Mitte Juni bis August hast du 24 Stunden Tageslicht, was die Navigation erleichtert, aber die Campingplätze sind überfüllt und kosten bis zu 25 € pro Person. Die beste Zeit für autarkes Reisen ist September: Die Massen sind weg, die Stellplätze noch offen und die Chance auf Polarlichter steigt. Vermeide den Winter (November bis März) mit einem Standard-Wohnmobil; viele Abschnitte der Ringstraße im Osten und Norden werden bei Schneesturm tagelang gesperrt. Windgeschwindigkeiten über 15 m/s sind für Alkoven-Wohnmobile das Signal, die Fahrt sofort einzustellen und das Fahrzeug mit der Nase in den Wind zu parken.
  • ✓Versorgung ist in Island eine Frage der Geografie. Tankstellen der Ketten N1 oder Olís fungieren als soziale Zentren. Eine volle Tankfüllung Diesel kostet bei ca. 310 ISK/Liter (ca. 2,10 €) für einen 70-Liter-Tank etwa 150 €. Kaufe eine Prepaid-Tankkarte, da viele Automaten keine ausländischen Kreditkarten ohne PIN akzeptieren. Supermärkte wie Bónus schließen oft schon um 18:00 Uhr. Trinkwasser kannst du an jedem Stellplatz in exzellenter Qualität kostenlos nachfüllen – es ist dasselbe Wasser, das teuer in Flaschen verkauft wird. Die Entsorgung von Grauwasser und Chemie-WC ist auf fast allen größeren Campingplätzen im Preis inbegriffen und technisch standardisiert (meist Bodeneinlass).

Auf einen Blick

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Dauer

10-14 Tage

📏

Strecke

1340 km

🏔️

Schwierigkeit

Mittel

Highlights

  • ⭐Golden Circle & Geysir
  • ⭐Jökulsárlón Gletscherlagune
  • ⭐Akureyri & der Norden
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