🌿 Natur & Wildnis👨👩👧👦 Familien
Reiseführer Camping | Vesturland
Islands Westen: Wildnis trifft Erreichbarkeit.
Island, 🇮🇸 Island
Reiseführer Camping | Vesturland
Der Geruch von Schwefel mischt sich mit salziger Gischt, während der Wind mit 15 Metern pro Sekunde gegen die Außenhaut Ihres Wohnmobils drückt. Vesturland ist keine Postkartenidylle, sondern eine geologische Lektion in Echtzeit. Hier dominieren schwarze Basaltsäulen, gelb-grünes Moos auf scharfkantigen Lavafeldern und die allgegenwärtige Präsenz des Gletschers Snæfellsjökull. Wer Camping Vesturland plant, muss verstehen, dass diese Region der logistische Schlüssel zum Verständnis Islands ist. Anders als im touristisch verdichteten Süden finden Sie hier eine Infrastruktur, die zwar vorhanden, aber den Elementen unterworfen ist. Die Straßenverhältnisse wechseln binnen Minuten von trockenem Asphalt zu überfluteten Schotterpisten, besonders auf der Halbinsel Snæfellsnes. Es ist ein Gebiet für Reisende, die bereit sind, ihren Zeitplan dem Wetterbericht von Vedur.is unterzuordnen. Das Licht ist hier härter, die Kontraste zwischen dem weißen Firn und dem schwarzen Strand von Djúpalónssandur sind physisch spürbar. Es geht nicht um Entspannung, sondern um das Navigieren durch eine Landschaft, die noch im Entstehen begriffen ist.
💡Der Wind auf der Halbinsel Snæfellsnes reißt dir die Autotür aus der Hand, wenn du nicht aufpasst – hier parkt man immer gegen den Wind.
Die Region im Detail
Dein umfassender Reiseführer für Camping Vesturland.
Camping Vesturland: Der Überblick
Geografisch betrachtet bildet Vesturland das Scharnier zwischen der Hauptstadtregion Reykjavík und den abgelegenen Westfjorden. Die Region erstreckt sich nördlich des Hvalfjörður-Tunnels bis hinauf zum Brattabrekka-Pass. Das logistische Herzstück ist die Stadt Borgarnes an der Ringstraße 1. Wer hier seinen Campingurlaub Vesturland beginnt, muss sich von der Vorstellung des wilden Campierens verabschieden. Island setzt seit 2015 das Naturschutzgesetz rigoros durch: Übernachten ist ausschließlich auf markierten Campingplätzen gestattet. Zuwiderhandlungen werden mit Bußgeldern im vierstelligen Euro-Bereich geahndet.
Die Camping-Landschaft in Vesturland ist pragmatisch und funktional. Sie finden hier keine Resort-Anlagen mit Animation, sondern befestigte Schotterflächen, die darauf ausgelegt sind, tonnenschwere Expeditionsfahrzeuge auch bei Dauerregen tragfähig zu halten. Ein typischer Stellplatz kostet pro Person zwischen 1.500 und 2.000 ISK (ca. 10-14 €), zuzüglich einer Übernachtungssteuer und oft separaten Gebühren für Strom und Warmwasser. Rechnen Sie für ein Wohnmobil mit zwei Personen in der Hauptsaison (Juni bis August) mit ca. 45 bis 55 € pro Nacht. Stromanschlüsse sind meist vorhanden, erfordern aber oft den blauen CEE-Adapter und Kabeltrommeln von mindestens 25 Metern Länge, da die Verteilerkästen weit auseinanderliegen können.
Die Anreise erfolgt fast immer über Keflavík. Von dort sind es ca. 110 Kilometer bis zur Regionsgrenze. Ein entscheidender Faktor für Camping in Vesturland, Island ist die Versorgungslage. Während Borgarnes über große Supermärkte wie Bónus und Nettó verfügt, steigen die Lebensmittelpreise in den kleineren Ortschaften wie Stykkishólmur oder Ólafsvík spürbar um 15 bis 20 Prozent an. Tankstellen finden sich entlang der Hauptrouten alle 50 bis 80 Kilometer, doch wer ins Hinterland Richtung Húsafell abzweigt, sollte stets mit vollem Tank starten. Das Klima ist hier maritim geprägt, was bedeutet: Schnelle Wetterwechsel sind die Norm. Ein sonniger Morgen kann innerhalb von 30 Minuten in horizontalen Regen umschlagen. Ihre Ausrüstung muss windstabil sein; Markisen sollten in dieser Region grundsätzlich eingefahren bleiben, sobald Sie das Fahrzeug verlassen.
Küste vs. Hinterland: Routen und Technik
Bei der Planung Ihrer Route durch Vesturland müssen Sie sich technisch und logistisch auf zwei völlig unterschiedliche Teilregionen einstellen: die exponierte Halbinsel Snæfellsnes im Westen und das geschützte, aber kältere Hinterland um Borgarfjörður.
Die Halbinsel Snæfellsnes, erschlossen durch die Straßen 54 und 574, ist eine fahrtechnische Herausforderung für hohe Fahrzeuge. Die Straße ist überwiegend asphaltiert, weist aber schmale Passagen und einspurige Brücken auf. Das Hauptproblem hier ist der Seitenwind. Fallwinde vom Snæfellsjökull-Gletscher können Böen von über 30 m/s erreichen. Ein Wohnmobil mit großem Aufbau (Alkoven) wird hier schnell zum Segel. Prüfen Sie täglich die Windkarten. Landschaftlich fahren Sie hier durch Lavafelder wie das Berserkjahraun. Der Untergrund auf den Campingplätzen ist oft extrem harter Lavaboden oder grober Schotter. Herkömmliche Heringe sind nutzlos; Sie benötigen zwingend stabile Felsnägel oder Schraubheringe, um Ihr Vorzelt (falls überhaupt nutzbar) zu sichern.
Im Gegensatz dazu steht das Inland, oft als „Silver Circle“ bezeichnet (Route 50 und 518). Diese Region führt Sie weg vom Meer, hinein in die Täler Richtung Langjökull-Gletscher. Hier ist der Wind meist weniger aggressiv, dafür fallen die Temperaturen nachts deutlich tiefer. Selbst im Sommer sind Werte um den Gefrierpunkt in Húsafell keine Seltenheit. Eine leistungsstarke Standheizung ist für Camping Vesturland in diesem Sektor essentiell. Gasheizungen sind gängig, aber bedenken Sie den Tausch von Gasflaschen (graue Euro-Flaschen werden nicht überall getauscht, oft nur die lokalen gelben Flaschen). Eine Dieselheizung bietet hier logistische Vorteile. Die Straße 518 ist bis Húsafell asphaltiert und für jedes Wohnmobil machbar. Doch Vorsicht: Wer weiter Richtung Kaldidalur (F550) will, verlässt die befestigte Welt. Hier beginnt das Hochland. Ohne 4x4 und erhöhte Bodenfreiheit (mindestens 25 cm) erlischt auf den F-Roads jeglicher Versicherungsschutz für normale Mietcamper.
Reifentechnisch sollten Sie auch im späten Frühjahr oder frühen Herbst auf alles vorbereitet sein. Ganzjahresreifen mit Schneeflockensymbol sind das absolute Minimum, besser sind echte Winterreifen, da auf den Passstraßen wie der Fróðárheiði (Verbindung Nord-Süd auf der Halbinsel) auch im Juni noch Schneematsch liegen kann. Der Reifendruck sollte bei langen Schotterpassagen leicht abgesenkt werden, um Traktion zu gewinnen und Pannen durch spitze Lavasteine zu vermeiden.
Insider-Tipp: Die Windfalle am Hafnarfjall
Viele Reisende unterschätzen eine ganz spezifische Stelle auf der Ringstraße 1, kurz vor der Brücke nach Borgarnes: den Abschnitt unterhalb des Berges Hafnarfjall. Dies ist ein berüchtigter meteorologischer Hotspot. Aufgrund der Topografie wird der Wind hier wie in einer Düse komprimiert und beschleunigt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass in Reykjavík Windstille herrscht, während hier Böen mit 25 bis 30 m/s (Orkanstärke) auftreten.
Achten Sie zwingend auf die elektronischen Anzeigetafeln am Straßenrand, die die aktuelle Windgeschwindigkeit in m/s anzeigen. Die Faustregel für Wohnmobile lautet: Ab 15 m/s ist erhöhte Vorsicht geboten, beide Hände fest ans Lenkrad und Tempo auf 60 km/h reduzieren. Ab 20 m/s sollten Sie mit einem hohen Fahrzeug (Alkoven oder Vollintegriert) NICHT weiterfahren. Suchen Sie sich einen Parkplatz im Windschatten und warten Sie ab. Es liegen regelmäßig umgekippte Fahrzeuge in diesem Graben, weil Fahrer die Physik ignoriert haben. Planen Sie diese Wartezeit als Puffer ein, wenn Sie die Fähre in Stykkishólmur oder einen Termin in Reykjavík erreichen müssen.
Das kannst du hier erleben

Kirkjufell
⏱️ 1-2 StundenLeicht
Der markante Berg Kirkjufell mit den Kirkjufellsfoss-Wasserfällen ist eines der bekanntesten Fotomotive Islands. Genieße den Blick auf den Berg und die Wasserfälle, besonders bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Der Ort liegt an der Nordküste von Snæfellsnes, nahe Grundarfjörður.

Plokkfiskur
⏱️ 1 StundeLeicht
Probiere Plokkfiskur, einen traditionellen isländischen Fischeintopf, der in vielen Restaurants in Vesturland angeboten wird. Das Gericht besteht aus Fisch, Kartoffeln, Zwiebeln und einer cremigen Sauce. Suche ein lokales Restaurant in Borgarnes oder Stykkishólmur.

Wandern im Nationalpark Snæfellsjökull
⏱️ 3-6 StundenMittel
Erkunde den Nationalpark Snæfellsjökull zu Fuß und entdecke die vielfältige Landschaft. Es gibt zahlreiche Wanderwege unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, die durch Lavafelder, entlang der Küste oder hinauf zum Vulkan Snæfellsjökull führen. Starte am Besucherzentrum in Hellnar oder Arnarstapi.

Rauðasandur
⏱️ 2-3 StundenLeicht
Besuche den abgelegenen Strand Rauðasandur mit seinem roten Sand. Der Strand ist über eine Schotterstraße erreichbar und bietet eine einzigartige Landschaft. Genieße die Ruhe und Abgeschiedenheit und beobachte die Vögel. Der Strand liegt im Süden der Halbinsel Snæfellsnes.
Zahlen und Fakten
Campingregion Vesturland
- 🌍 Land
- 🇮🇸 Island
- 📍 Region
- Island
- 🏛️ Provinz
- Vesturland
- ☀️ Klima
- Subarktisch, windig und wechselhaft
- 📅 Beste Reisezeit
- Juni/Juli für milde Temperaturen, Sept/Okt für Nordlichter
- 🌡️ Sommer ∅
- 12°C
- 🌸 Frühling ∅
- 5°C
- 🏕️ Campingplätze
- ~20
- ✈️ Flughafen
- Keflavík International Airport (KEF)
- 🚌 ÖPNV
- Busverbindungen zwischen größeren Orten, eingeschränktes Netz
- 🌧️ Regentage
- ca. 150 Tage pro Jahr
- 🚗 Ab München
- Nicht relevant, da Inseldestination. Flug nach Keflavík (KEF) empfohlen.
- 🚗 Ab Hamburg
- Nicht relevant, da Inseldestination. Flug nach Keflavík (KEF) empfohlen.
- 💰 Preisniveau
- €€
- 🐕 Hunde
- Gut
- 🎯 Geeignet für
- NaturliebhaberAbenteurerRuhesuchende
🚦 Auslastung nach Monat
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Ruhig Mäßig Voll Überfüllt