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Reiseführer Camping | Kerry
Atlantik-Härte trifft irische Gelassenheit.
Irland, 🇮🇪 Irland
Reiseführer Camping | Kerry
Der erste Eindruck ist olfaktorisch: Eine Mischung aus verbranntem Torf, salziger Gischt und feuchter Schafwolle liegt schwer in der Luft. Wer Camping Kerry wählt, entscheidet sich gegen mediterrane Wärme und für die raue Ehrlichkeit des Atlantiks. Die Landschaft hier ist nicht lieblich, sie ist gezeichnet vom ständigen Kampf zwischen Ozean und Fels. Grüne Hänge sind keine gepflegten Wiesen, sondern mit Wasser vollgesogene Torfmoore, die jeden Reifen ohne festen Untergrund sofort verschlucken. Die Straßen, oft kaum breiter als 2,50 Meter, werden von hohen Fuchsienhecken gesäumt, die den Lack unbarmherzig polieren. Das Licht wechselt im Minutentakt zwischen bleiernem Grau und einer fast blendenden Klarheit, wenn die Sonne durch die Wolkendecke bricht. Es ist eine logistische Herausforderung: Enge Kurvenradien auf der Iveragh-Halbinsel und stürmische Nächte erfordern fahrerisches Können und erstklassiges Equipment. Hier urlaubt man nicht, um braun zu werden, sondern um die physikalische Wucht der Natur zu spüren.
💡Lass den 9-Meter-Liner zu Hause, investiere in erstklassige Regenkleidung und lerne, den Rückwärtsgang auf einspurigen Passstraßen blind zu beherrschen.
Die Region im Detail
Dein umfassender Reiseführer für Camping Kerry.
Camping Kerry: Logistik und Realität
Wer einen Campingurlaub Kerry plant, muss seine gewohnten kontinentalen Maßstäbe an der Fähre abgeben. Geografisch befinden wir uns im äußersten Südwesten Irlands, geprägt durch die drei großen Halbinseln Dingle, Iveragh (Ring of Kerry) und Beara. Die Anreise erfolgt meist über die Landbrücke Großbritannien oder direkt per Fähre von Cherbourg nach Rosslare oder Dublin. Von Dublin aus sind es knapp 300 Kilometer über die M7/M8 bis Killarney, dem logistischen Nadelöhr der Region. Ab hier ändert sich die Infrastruktur radikal: Autobahnen weichen den berüchtigten R-Roads, deren Belag oft rau und uneben ist.
Die Camping-Infrastruktur in Kerry ist pragmatisch, nicht luxuriös. Große Resorts mit Pool-Landschaften sind die absolute Ausnahme. Stattdessen dominieren kleinere, oft familiengeführte Plätze, die strategisch günstig an den Küstenlinien liegen. Ein entscheidender Faktor für Camping in Kerry, irland ist der Untergrund: Achten Sie zwingend auf „Hardstanding Pitches“ (befestigte Stellflächen). Aufgrund der hohen Niederschlagsmengen (im Schnitt 1.400mm bis 3.000mm pro Jahr je nach Staulage) verwandeln sich Rasenflächen binnen Stunden in unbefahrbare Moore. Ein 3,5-Tonner sinkt hier ohne Vorwarnung bis zur Achse ein.
Preislich bewegt sich die Region im oberen Mittelfeld. In der Hochsaison (Juli/August) müssen Sie für einen Stellplatz mit Strom (10-16 Ampere sind Standard, aber prüfen Sie Ihren Adapter auf den britischen 3-Pin-Standard) mit 35 € bis 50 € pro Nacht rechnen. Wildcamping ist in Kerry extrem reglementiert und aufgrund der vielen Höhenbegrenzungen an Parkplätzen (oft 2,0 Meter Barrieren) faktisch kaum legal möglich. Die Landwirte sind beim Thema „Übernachten im Torfmoor“ zu Recht humorlos. Planen Sie Ihre Etappen also von offiziellem Stellplatz zu Stellplatz. Tankstellen sind entlang der Hauptrouten N70 und N86 ausreichend vorhanden, aber in den abgelegenen Tälern wie dem Black Valley sollten Sie nie mit weniger als halbvollem Tank einfahren. Rechnen Sie mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von maximal 40-50 km/h, sobald Sie die Nationalstraßen verlassen.
Halbinseln und Härtefall: Dingle vs. Iveragh
Die Entscheidung für eine Route in Kerry ist oft eine Entscheidung zwischen der Iveragh-Halbinsel (Ring of Kerry) und der Dingle-Halbinsel. Beide stellen völlig unterschiedliche Anforderungen an Ihr Wohnmobil und Ihre Nervenstärke. Beginnen wir mit dem Ring of Kerry (N70). Die 179 Kilometer lange Ringstraße ist die bekannteste Route, aber logistisch tückisch. Reisebusse befahren die Strecke traditionell gegen den Uhrzeigersinn (von Killarney Richtung Killorglin). Die Experten-Empfehlung lautet: Fahren Sie im Uhrzeigersinn (Richtung Kenmare). Zwar begegnen Ihnen dann die Busse im Gegenverkehr, was an engen Stellen Schweißausbrüche garantiert, aber Sie stecken nicht stundenlang hinter ihnen fest. Wichtig: Die Straße ist an vielen Stellen durch Felsüberhänge und Mauern begrenzt. Ein Fahrzeugbreite über 2,35 Meter erfordert höchste Konzentration. Klappen Sie die Spiegel ein, wenn es eng wird – ein neuer Außenspiegel kostet mehr als drei Nächte auf dem teuersten Platz der Region.
Die Dingle-Halbinsel im Norden ist kompakter, aber fahrtechnisch anspruchsvoller für Camping Kerry. Der berühmte Connor Pass ist für breite Wohnmobile und Gespanne absolut verboten (Breitenbeschränkung 2 Meter beachten!). Ignorieren Sie das Schild, bleiben Sie stecken oder setzen kilometerweit rückwärts am Abgrund zurück. Die Alternative ist die Strecke über Camp und Annascaul auf der N86. Der Slea Head Drive im Westen von Dingle ist landschaftlich die Speerspitze Irlands, aber eine Einbahnstraßen-Regelung wird hier oft empfohlen: Fahren Sie im Uhrzeigersinn, um den Reisebussen nicht auf der Klippenseite zu begegnen. Die Parkbuchten sind rar und im Sommer oft von Mietwagen blockiert.
Technisch muss Ihr Fahrzeug auf Sturm vorbereitet sein. Wir sprechen hier von Böen, die jenseits der 80 km/h liegen können, selbst im Sommer. Eine Markise bei Abwesenheit ausgefahren zu lassen, ist grob fahrlässig. Nutzen Sie zusätzliche Sturmbänder, wenn Sie ein Vorzelt aufbauen, oder verzichten Sie ganz darauf. Die Heizung ist auch im Juli kein Luxus, sondern Notwendigkeit, wenn die Temperaturen nachts auf 8-10 Grad fallen und die Luftfeuchtigkeit bei 90% liegt. Ein Stellplatz mit Windschutz (Hecken, Mauern) ist einem Platz mit „Meerblick in erster Reihe“ immer vorzuziehen, wenn Sie ruhig schlafen wollen.
Insider-Tipp: Der Skellig Ring
Während 95% der Touristen stur der N70 auf dem Ring of Kerry folgen, biegen Kenner bei Waterville oder Cahersiveen ab auf den Skellig Ring. Diese ca. 18 Kilometer lange Zusatzschleife ist für große Reisebusse gesperrt – und genau das macht sie so wertvoll. Die Straßen sind schmal, der Asphalt rau, aber die Ruhe ist absolut. Hier finden Sie den authentischen Charakter der Region, den Sie auf der Hauptroute oft vermissen.
Ein kritischer Punkt ist der Coomanaspig Pass: Es ist einer der höchsten befahrbaren Pässe in Irland. Die Steigung ist beachtlich, und wenn Sie ein schweres, untermotorisiertes Fahrzeug fahren (unter 130 PS bei 3,5t), werden Sie den ersten Gang brauchen. Oben angekommen, bietet sich ein Blick auf die Skellig Islands, der die Mühe wert ist. Besuchen Sie die Kerry Cliffs bei Portmagee am späten Nachmittag (nach 17:00 Uhr), wenn die Tagesausflügler weg sind. Der Eintritt von 4 € ist gut investiert, die Klippen sind höher und rauer als die überlaufenen Cliffs of Moher. Für die Übernachtung bietet sich die Gegend um Valentia Island an, die über eine Brücke bei Portmagee erreichbar ist – keine Fähre nötig.
Das kannst du hier erleben

Wanderung auf den Carrauntoohil
⏱️ 6-8 StundenAnspruchsvoll
Erklimme den höchsten Berg Irlands und genieße einen atemberaubenden Panoramablick über Kerry. Die Wanderung ist anspruchsvoll, aber die Aussicht ist die Mühe wert!

Bootsfahrt zu den Skellig Islands
⏱️ 3-4 StundenMittel
Besuche die mystischen Skellig Islands, eine UNESCO-Weltkulturerbestätte. Bestaune die Ruinen eines alten Klosters und beobachte die Papageientaucher in ihrem natürlichen Lebensraum.

Surfen am Inch Beach
⏱️ 2-3 StundenMittel
Stürz dich in die Wellen des Atlantiks und erlebe den Nervenkitzel des Surfens. Inch Beach ist ein beliebter Spot für Anfänger und Fortgeschrittene.

Besuch des Killarney Nationalparks
⏱️ variabelLeicht
Erkunde die malerische Landschaft des Killarney Nationalparks mit seinen Seen, Wäldern und Bergen. Miete ein Boot, mach eine Wanderung oder genieße einfach die Ruhe der Natur.
Zahlen und Fakten
Campingregion Kerry
- 🌍 Land
- 🇮🇪 Irland
- ☀️ Klima
- Mild und feucht, mit häufigen Regenschauern.
- 📅 Beste Reisezeit
- Juni für milde Temperaturen und lange Tage vs. September für weniger Touristen und eine goldene Herbstlandschaft.
- 🌡️ Sommer ∅
- 16-20°C
- 🌸 Frühling ∅
- 10-15°C
- 🏕️ Campingplätze
- ~50
- ✈️ Flughafen
- Kerry Airport (KIR)
- 🚌 ÖPNV
- Busverbindungen sind vorhanden, aber ein eigenes Fahrzeug (oder ein gemieteter Camper) ist empfehlenswert, um die Region flexibel zu erkunden.
- 🌧️ Regentage
- ca. 15 Tage pro Monat
- 💰 Preisniveau
- Mittel. Camping in Irland ist generell etwas teurer als beispielsweise in Deutschland, aber die einzigartige Landschaft und die Gastfreundschaft der Iren machen das mehr als wett.
- 🐕 Hunde
- 4 Sterne. Hunde sind in den meisten Campingplätzen willkommen, aber es herrscht oft Leinenpflicht, besonders in Naturschutzgebieten und an Stränden.
- 🎯 Geeignet für
- FamilienWandererNaturfreundeRuhesuchende
🚦 Auslastung nach Monat
Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
Ruhig Mäßig Voll Überfüllt