Routenverlauf
Über diese Tour
Cornwall ist kein Ort für flüchtige Blicke durch die Windschutzscheibe. Es ist ein Land aus 290 Millionen Jahre altem Granit, geprägt vom Zinnabbau und dem unaufhörlichen Rhythmus des Atlantiks. Wenn du die Grenze am River Tamar überquerst, verändert sich das Licht. Es wird härter, klarer – ein Phänomen, das seit dem 19. Jahrhundert Künstler nach St Ives lockt. Für Camper ist Cornwall eine logistische Prüfung. Die "Hedges", jene steinernen Erdwälle, die die Straßen säumen, verzeihen keine Fahrfehler. Hier zählt nicht die Höchstgeschwindigkeit, sondern die Breite deines Aufbaus. Wer mit 2,30 Metern Breite unterwegs ist, wird den Geruch von zerriebenem Farn und feuchtem Schiefer kennenlernen. Die Geschichte der Region ist in den Ruinen der Pumpenhäuser von Botallack und Levant präsent, deren Schächte bis zu 500 Meter unter den Meeresspiegel reichen. Es riecht nach verbranntem Torf, Algen und dem schweren Fett der Pasties, die hier seit Generationen die Bergleute sättigten. Die Route verlangt Geduld; bei 300 Kilometern in 7 Tagen liegt der Fokus auf der Langsamkeit. Du wirst lernen, die Gezeiten zu lesen, da viele Küstenstraßen bei Sturmflut Gischt auf die Windschutzscheibe peitschen. Es ist eine Reise in den äußersten Südwesten Englands, wo das Land schmal wird und das Meer von drei Seiten gleichzeitig gegen die Klippen drückt.
Deine Reise im Detail
🏖️Von Truros Türmen zum südlichsten Zipfel
Deine Reise beginnt in Truro [50.26, -5.05]. Die Kathedrale dominiert mit ihren drei Türmen das Stadtbild, erbaut aus kornischem Granit und Bath Stone. Parke auf dem "Waitrose & Cornish Food Box" Parkplatz (ca. 14 € für den Tag), um Vorräte zu bunkern. Die Fahrt führt südlich zur Lizard-Halbinsel. Der Stellplatz "Henry's Campsite" in The Lizard (50.00, -5.19) kostet etwa 35 € pro Nacht und bietet einen unverstellten Blick auf den südlichsten Punkt der Insel. Die Wege sind hier so eng, dass zwei Wohnmobile oft nur mit eingeklappten Spiegeln aneinander vorbei passen. Kulinarisch führt kein Weg an "Ann’s Pasties" vorbei – verzichte auf die Touristenfallen und kaufe dort, wo die Einheimischen Schlange stehen. Das Rindfleisch muss in groben Stücken, nicht als Hackfleisch, in der Teigtasche liegen. Die Luft ist hier dicker, gesättigt von der Gischt, die am Lizard Point bei Südwestwind bis zu 20 Meter hochschlägt. Besuche das Lizard Lighthouse, das seit 1751 Seefahrer vor den tückischen Riffen warnt. Das Signalhorn ist bei Nebel bis zu 10 Kilometer weit zu hören und vibriert bis in deine Knochen, wenn du auf der Klippe stehst.
🏄Die fahrerische Reifeprüfung: Porthcurno und Land's End
Der Abschnitt zwischen Penzance und Sennen Cove ist das Herzstück der Route. Die B3306 schlängelt sich durch eine Landschaft, die eher an das schottische Hochland als an Südengland erinnert. In Porthcurno findest du das Minack Theatre (50.04, -5.65). Rowena Cade meißelte dieses Amphitheater ab 1931 eigenhändig in den Fels. Parken für Wohnmobile ist auf dem oberen Schotterparkplatz erlaubt, Übernachten jedoch streng verboten (Strafe ca. 70 €). Die Wanderung zum Logan Rock bietet den besten Blick auf das türkisfarbene Wasser von Pedn Vounder, das bei Ebbe Sandbänke wie in der Karibik freigibt. Warnung: Die Abfahrten zu den Buchten haben oft Gefälle von 15 bis 20 Prozent. Deine Bremsen werden nach heißem Metall riechen, wenn du unten ankommst. Nutze konsequent den Motor als Bremse. Besuche die Zinnmine von Geevor, wo die Zeit 1990 stehen blieb. Die rostigen Maschinen und das Klappern der Förderkörbe sind die akustischen Geister der industriellen Vergangenheit. Der Stellplatz "Treen Farm Campsite" (50.04, -5.63) für 30 € ist der ideale Ausgangspunkt, um die Klippenpfade bei Sonnenuntergang zu begehen, wenn das Granitgestein in tiefem Orange glüht.
🥧St Ives: Das Finale im Licht der Maler
Das Ziel ist St Ives [50.21, -5.48]. Fahre niemals mit dem Wohnmobil in das Stadtzentrum. Die Gassen sind teilweise nur 2,10 Meter breit und Sackgassen enden oft im Nichts. Nutze den Park-and-Ride-Parkplatz "Lelant Saltings" (50.19, -5.43) und nimm die Bahn. Die Strecke gilt als eine der schönsten Kurzzugverbindungen Europas; sie führt direkt an den Dünen von Carbis Bay entlang. In St Ives dominiert das "Tate St Ives", ein Bau aus dem Jahr 1993, der auf den Fundamenten eines alten Gaswerks thront. Der Stellplatz "Polmanter Touring Park" (ca. 40 € bis 52 €) bietet einen Shuttle-Service in die Stadt. Hier endet die Route bei einem Pint "Proper Job" IPA im Sloop Inn, einer Kneipe aus dem Jahr 1312. Die Reflexion des Hafens im Wasser bei Ebbe, wenn die Fischerboote auf der Seite im Schlamm liegen, ist das visuelle Finale dieser 300 Kilometer. Wenn du weiterziehen willst, führt die Küstenstraße weiter nach Norden Richtung Padstow, doch das weiche Licht von St Ives ist der Punkt, an dem die meisten Camper ihre Reise für ein paar Tage unterbrechen. Der Geruch von frischem Fish & Chips vermischt sich hier mit der salzigen Note des Hafens.
💡Praktische Tipps
- ✓Fahrzeuge über 7 Meter Länge und 2,30 Meter Breite stoßen hier an physische Grenzen. Die "Cornish Hedges" sind Steinmauern, getarnt als harmlose Hecken. Ein Ausweichen ist oft nur über hunderte Meter Rückwärtsfahren in die nächste "Passing Place" möglich. Maut gibt es nur für die Tamar Bridge (ca. 3 € für Wohnmobile, nur stadteinwärts). Achte auf die Überhänge bei den engen Kehren der B3306; der Granit gibt nicht nach.
- ✓Vermeide die britischen "Bank Holidays" und die Schulferien im Juli/August. Die Straßen verstopfen, und die Parkplatzsuche wird zum Albtraum. Die beste Zeit ist der Mai oder September. Im Mai blüht der Ginster leuchtend gelb und der Duft von Kokosnuss liegt in der Luft. Die Temperaturen liegen bei moderaten 15-18 Grad, ideal zum Wandern, während das Meer noch zu kalt zum Schwimmen ist.
- ✓Große Supermärkte (Tesco, Sainsbury’s) findest du in Truro, Helston und Penzance. Danach wird die Versorgung schwierig. Nutze Farm Shops für lokale Produkte wie Cornish Cream. Die Wasserversorgung ist auf Campingplätzen Standard; öffentliche Entsorgungsstationen (Aird de Service) wie in Frankreich existieren praktisch nicht. Tanke in den größeren Städten, da die Preise in Küstennähe um bis zu 20 Cent pro Liter steigen.
Auf einen Blick
Dauer
5-7 Days
Strecke
300 km
Schwierigkeit
Mittel
Highlights
- ⭐Land's End
- ⭐St Ives
- ⭐Minack Theatre