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Drei-Pässe-Fahrt

2-3 Tage120 kmAnspruchsvoll
Routenverlauf

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Über diese Tour

Über diese Tour

Die Zentralschweizer Alpen sind kein Ort für Eilige. Hier, wo das Massiv des Gotthards die Wetterscheiden markiert, regiert der Rhythmus der Gangschaltung. Die Drei-Pässe-Fahrt über Furka, Grimsel und Susten ist ein technisches Meisterwerk der Ingenieurskunst, das in den 1860er Jahren für Postkutschen konzipiert wurde. Heute vibriert der Asphalt unter den Reifen schwerer Wohnmobile, während der Geruch von heißem Bremsstaub und frischem Almheu in das Fahrerhaus zieht. Du spürst das Gewicht deines Fahrzeugs bei jeder der 84 Kehren deutlicher als irgendwo sonst in Europa. Historisch gesehen war diese Route die Lebensader des alpinen Handels, lange bevor der Gotthard-Basistunnel den Berg im 57 Kilometer langen Schlund verschwinden ließ. Wenn du oben stehst, zwischen kargem Fels und ewigem Eis, hörst du das ferne Pfeifen der Furka-Dampfbahn, deren Rauchschwaden sich mit den Wolken auf 2.400 Metern vermischen. Die Luft ist dünn, das Licht schneidend klar und die Logistik für Camper erfordert Präzision: Die Straßen sind schmal, die Ausweichbuchten knapp bemessen und das Wetter schlägt innerhalb von 15 Minuten von strahlendem Blau in graue Nebelwand um.

Etappen

Deine Reise im Detail

🏔️Andermatt und der Aufstieg zum Furkapass

Dein Startpunkt ist Andermatt auf 1.444 Metern. Der Ort hat sich vom verschlafenen Garnisonsstädtchen zum Luxus-Resort gewandelt, doch der offizielle Stellplatz am nördlichen Ortsrand (N 46.6358, E 8.5911) bleibt zweckmäßig. Für ca. 30 Euro (30 CHF) pro Nacht stehst du auf Schotter mit Blick auf die Gemsstockbahn. Bevor du die Rampe zum Furka in Angriff nimmst, füllst du deine Vorräte im lokalen Coop auf, denn oben in den Pässen kosten zwei Liter Wasser so viel wie im Tal ein ganzes Menü. Die Fahrt Richtung Furkapass (2.429 m) beginnt moderat, bis hinter Realp die Serpentinen in den Berg beißen. Hier zeigt sich, ob dein Kühlsystem den Belastungen gewachsen ist. Ein technischer Halt am legendären Hotel Belvedere, das wie ein gestrandeter Ozeandampfer in der Kehre klebt, ist Pflicht. Der Eintritt zur Eisgrotte im Rhonegletscher kostet 9 Euro – ein vergängliches Erlebnis, da das Eis jährlich um mehrere Meter zurückweicht. Kulinarischer Tipp: In der Schaukäserei Andermatt solltest du den würzigen 'Urner Alpkäse' kaufen, der das Aroma von Silberdisteln und Alpen-Mutterwurz konzentriert.

🛣️Grimselpass: Granitwände und Wasserkraft

Vom Furka-Scheitelpunkt stürzt die Straße förmlich hinab nach Gletsch, nur um sich sofort wieder zum Grimselpass (2.164 m) emporzuschwingen. Die Westrampe des Grimsels ist geprägt von glatt geschliffenen Granitplatten, die wie die Rücken schlafender Wale aussehen. Hier dominiert das künstliche Blau der Stauseen. Parke dein Wohnmobil am Totensee auf der Passhöhe (N 46.5614, E 8.3376). Das Parken ist tagsüber oft toleriert, Übernachten jedoch offiziell untersagt. Die Wanderung zum Sidelhorn beginnt direkt hier und bietet nach 90 Minuten Aufstieg den Blick auf das Finsteraarhorn, den höchsten Gipfel der Berner Alpen. Die Abfahrt Richtung Innertkirchen ist die größte Herausforderung für deine Bremsen. Nutze konsequent die Motorbremse und kleine Gänge. Wer die Bremsen glühen lässt, riskiert auf der 10-prozentigen Gefällestrecke den Totalausfall. Achte auf die Postautos – die gelben Busse haben in den Kehren immer Vorrang, signalisiert durch ihr charakteristisches Dreiklanghorn.

⛰️Sustenpass: Die wilde Rückkehr nach Uri

Der Sustenpass (2.224 m) ist das Finale dieser Rundreise. Er ist breiter ausgebaut als der Furka, wirkt aber durch seine massiven Steingalerien und Tunnel weitaus wilder. Hier begegnest du kaum dem Jetset, sondern eher Alpinisten. In der Steingletscher-Region, kurz vor der Passhöhe, findest du große Parkplätze, die sich ideal für eine Mittagspause eignen. Der Blick auf den Sustengletscher ist unverbaut und erinnert an arktische Landschaften. Die Ostrampe führt dich durch das Meiental zurück Richtung Wassen. Die Straße schmiegt sich an steile Felswände, während hunderte Meter unter dir die Meienreuss tobt. In Wassen schließt sich der Kreis. Beobachte hier die Züge der Gotthard-Bergstrecke, die durch Kehrtunnel dreimal auf verschiedenen Ebenen am selben Punkt erscheinen. Dein Ziel ist erreicht, wenn du wieder auf die A2 Richtung Norden oder Süden auffährst. Der Ausklang findet idealerweise auf dem Campingplatz Eienwäldli in Engelberg statt, der mit seiner Wellnessanlage die Strapazen der Passfahrt vergessen macht.

Reisetipps

💡Praktische Tipps

  • ✓Dein Fahrzeug sollte nicht länger als 7,50 Meter sein, wenn du entspannt durch die Kehren kommen willst. Über 3,5 Tonnen wird die Maut in der Schweiz über die PSVA (Pauschale Schwerverkehrsabgabe) abgerechnet, die du via 'Via' App vor der Grenze zahlst. Prüfe vor Abfahrt unbedingt den Zustand deiner Bremsflüssigkeit; alternde Flüssigkeit zieht Wasser und kann bei den langen Abfahrten vom Grimsel (über 1.500 Höhenmeter am Stück) versagen.
  • ✓Die Pässe öffnen meist erst im Juni und schließen oft schon im Oktober. Die beste Zeit ist die erste Septemberwoche: Der erste Ansturm der Motorradfahrer ist vorbei, die Luft ist klarer als im Hochsommer und die Temperaturen liegen tagsüber bei angenehmen 15 Grad. Vermeide die Wochenenden zwischen 10:00 und 16:00 Uhr, wenn Hunderte Sportwagen die Route als Rennstrecke missbrauchen.
  • ✓Versorgung ist in der Höhe Mangelware. Die letzte günstige Tankstelle vor den Pässen befindet sich in Meiringen oder Andermatt – auf den Passhöhen gibt es keinen Kraftstoff. Grauwasser-Entsorgung ist ausschließlich im Tal (z.B. Camping Grund in Grindelwald oder Andermatt) möglich. Wildcampen wird in den Kantonen Uri und Bern streng kontrolliert und mit Bußen ab 200 Euro geahndet.

Auf einen Blick

⏱️

Dauer

2-3 Tage

📏

Strecke

120 km

🏔️

Schwierigkeit

Anspruchsvoll

Highlights

  • ⭐Rhonegletscher
  • ⭐Grimselstauseen
  • ⭐Teufelsbrücke
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