logo
Zurück zu Schweden

Schwedische Westküste

5-7 Days300 kmLeicht
Routenverlauf

Routenverlauf

StartpunktHighlightEndpunkt
Über diese Tour

Über diese Tour

Die schwedische Westküste, bekannt als Bohuslän, ist kein Ort für Eilige. Während die E6 als graues Asphaltband das Hinterland zerschneidet, windet sich die Küstenstraße durch eine Landschaft, die vor 1,8 Milliarden Jahren aus flüssigem Magma zu pinkfarbenem Granit erstarrte. Es ist eine Region des harten Lichts und des kalten Wassers. Historisch war dieser Landstrich Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen Schweden, Dänemark und Norwegen, heute ist er das Revier von Hummerfischern und Wohnmobilisten, die das Salz auf der Haut suchen. Du startest in Göteborg, einer Stadt, die auf den Fundamenten des holländischen Kanalbaus steht und sich heute als kulinarisches Epizentrum des Nordens versteht. Sobald du die Stadtgrenze Richtung Norden übertrittst, verändert sich die Textur der Reise. Die Kiefernwälder weichen kahlen Felsen, die Brücken werden höher und der Wind stetiger. Mit einem Wohnmobil über 7 Metern Länge fordern die schmalen Ortsdurchfahrten Konzentration, doch die Belohnung ist die Unmittelbarkeit des Meeres. Hier gibt es keine kilometerlangen Sandstrände, sondern tiefblaue Fjorde, die sich in das Gestein fressen. Die Logistik ist einfach, solange du die Hauptsaison im Juli meidest, wenn die Schweden selbst ihre Schären fluten. In der Nebensaison gehört dir die herbe Schönheit der Westküste fast allein, untermalt vom fernen Wummern der Schiffsdiesel und dem Kreischen der Silbermöwen.

Etappen

Deine Reise im Detail

🦞Göteborg und die Pforte nach Bohuslän

Dein Abenteuer beginnt am Hafen von Göteborg (57.7089, 11.9746). Bevor du die Stadt verlässt, solltest du die 'Feskekörka' besuchen, die Fischkirche, in der seit 1874 fangfrische Meeresfrüchte gehandelt werden. Ein Kilo Garnelen kostet hier etwa 350 SEK (ca. 30 EUR) – die perfekte Basis für dein erstes Abendessen im Camper. Beachte die Umweltzone: Ältere Dieselmodelle ohne Euro 6 haben in weiten Teilen des Zentrums keine Fahrerlaubnis. Als Stellplatz für die erste Nacht empfehle ich Lisebergsbyn (57.7144, 12.0253). Mit ca. 450 SEK pro Nacht ist er nicht günstig, bietet aber eine perfekte Anbindung und saubere Infrastruktur inklusive Grauwasserentsorgung. Von hier aus führt der Weg über die Tjörnbron-Brücke. Diese 664 Meter lange Schrägseilbrücke ist dein Tor in die Welt der Inseln. Die Maut wird elektronisch über das Kennzeichen erfasst (Epass24), du musst also nicht anhalten. In Skärhamn auf der Insel Tjörn wartet das Nordische Aquarellmuseum. Die Architektur aus rotem Holz integriert sich so perfekt in die Felsen, dass man den Übergang von Kunst zur Natur kaum spürt. Parke auf dem ausgewiesenen P4 für größere Fahrzeuge. Wenn du die Nacht lieber direkter am Wasser verbringst, fahre weiter nach Kyrkesund. Dort gibt es einfache Plätze direkt an den Klippen, wo du beim Einschlafen das Glucksen der Gezeiten unter deinem Chassis hörst. Die Straßen sind hier schmal, oft einspurig mit Ausweichbuchten (M-Schilder). Vorausschauendes Fahren ist Pflicht, besonders wenn dir ein lokaler Fischlaster entgegenkommt.

⛵Smögen: Der Puls der Westküste

Nach etwa 100 Kilometern erreichst du Smögen (58.35, 11.23), das Herzstück dieser Route. Bekannt ist der Ort für die 'Smögenbryggan', eine 600 Meter lange Holzbrücke entlang des Hafens, gesäumt von bunten Fischerhütten. Doch Vorsicht: Im Hochsommer schiebt sich hier eine menschliche Lawine durch die Gassen. Mein Rat: Komme früh am Morgen, wenn der Nebel noch über dem Wasser hängt und der Geruch von frischem Räucherfisch aus den kleinen Manufakturen in die Nase steigt. Das Parken in Smögen ist für Wohnmobile eine Herausforderung. Nutze den großen Parkplatz am Ortseingang (Sandö) und gehe die letzten 15 Minuten zu Fuß. Die Gebühren liegen bei etwa 40 SEK pro Stunde. Eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet Sandön bietet dir den besten Blick auf den Skagerrak. Hier findest du Gletschertöpfe – kreisrunde Löcher im Granit, die die Eiszeit vor 10.000 Jahren hinterlassen hat. Kulinarisch führt kein Weg am 'Smögenräkor' vorbei. Diese Nordseegarnelen sind kleiner und fester als ihre Verwandten aus dem Süden. Kaufe sie direkt vom Kutter. Für die Übernachtung solltest du den Stellplatz 'Johannesvik' ansteuern. Er liegt leicht versetzt im Wald, bietet aber Schutz vor den oft heftigen Westwinden. Wer autark stehen möchte, findet auf den Felsplateaus der Halbinsel Ramsvikslandet spektakuläre Möglichkeiten, doch achte penibel auf die Beschilderung – das Jedermannsrecht ('Allemansrätten') gilt ausdrücklich nicht für motorisierte Fahrzeuge auf Privatgrund oder in Naturschutzgebieten. Die Ranger verstehen hier keinen Spaß und verhängen Bußgelder ab 1.000 SEK.

🏝️Kosterhavet: Wo Schweden im Meer versinkt

Die letzte Etappe führt dich weiter nördlich nach Strömstad. Kurz vor der norwegischen Grenze liegt der Kosterhavet Nationalpark (58.88, 11), Schwedens erster mariner Nationalpark. Da die Koster-Inseln fast autofrei sind, bleibt dein Wohnmobil in Strömstad auf dem Campingplatz 'First Camp City-Strömstad' (58.9288, 11.1852) stehen. Die Nacht kostet je nach Saison zwischen 35 und 55 Euro. Die Fähre bringt dich in 45 Minuten auf die Inseln Nord- und Sydkoster. Hier oben ist das Licht anders – härter, klarer. Die Vegetation ist karg, geprägt von Wacholdersträuchern und Stranddisteln. Leih dir ein Fahrrad für 150 SEK und fahre zum Valfjäll auf Sydkoster. Von dort oben siehst du bei klarer Sicht bis nach Norwegen. Es ist ein Ort der absoluten Stille, nur unterbrochen vom Schrei der Küstenseeschwalben. Zum Abschluss der Reise empfiehlt sich ein Besuch in Grebbestad. Hier werden 90 Prozent aller schwedischen Austern geerntet. In der 'Everts Sjöbod' kannst du einen Austern-Kurs belegen. Es geht nicht um Luxus, sondern um Handwerk. Du lernst, wie man die Schalen öffnet, ohne die Klinge in die Hand zu rammen, und schmeckst das eiskalte, mineralische Wasser des Nordatlantiks. Die Rückreise nach Göteborg erfolgt am besten über die E6, wenn es schnell gehen muss, oder du nimmst dir weitere drei Tage Zeit und besuchst die Felsritzungen von Tanum (UNESCO-Welterbe), wo 3.000 Jahre alte Schiffe in den Stein gemeißelt wurden – die Vorfahren deiner heutigen Reiselust.

Reisetipps

💡Praktische Tipps

  • ✓Dein Fahrzeug sollte nicht breiter als 2,30 Meter sein, wenn du die Küstenorte stressfrei befahren willst. Die Maut für die Brücken bei Göteborg und die Öresundbrücke (falls Anreise über Dänemark) wird automatisch über 'Epass24' abgerechnet – registriere dein Kennzeichen vorab online, um Mahngebühren zu vermeiden. Steigungen sind moderat (max. 8%), aber die Küstenwinde können Wohnmobile mit hohem Aufbau empfindlich treffen. Halte das Lenkrad auf den Brücken fest umschlossen.
  • ✓Die absolute Prime-Time ist Mitte August bis Ende September. Das Wasser ist noch warm genug zum schnellen Eintauchen (ca. 16-18 Grad), aber die großen Touristenmassen der schwedischen Sommerferien sind verschwunden. Vermeide die Woche um Midsommar (Ende Juni) – die Plätze sind Jahre im Voraus ausgebucht und die Preise verdoppeln sich. Im Mai blüht der Ginster gelb gegen den grauen Fels, ein visueller Kontrast, der jeden Fotografen begeistert.
  • ✓Schweden ist ein Paradies für Camper-Logistik. Fast jede 'Preem' oder 'Circle K' Tankstelle an der E6 bietet Latrinenentleerung und Frischwasser an. Alkohol über 3,5% gibt es nur im staatlichen 'Systembolaget' (Öffnungszeiten beachten, samstags oft nur bis 15 Uhr!). Supermärkte wie 'ICA Maxi' oder 'Willys' in den Außenbezirken von Göteborg und Strömstad haben riesige Parkplätze, auf denen du auch mit 8-Meter-Linern problemlos rangieren kannst.

Auf einen Blick

⏱️

Dauer

5-7 Days

📏

Strecke

300 km

🏔️

Schwierigkeit

Leicht

Highlights

  • ⭐Smögen
  • ⭐Fjällbacka
  • ⭐Kosterhavet
CamperPassenden Camper finden