Routenverlauf
Über diese Tour
Die Algarve ist kein homogenes Urlaubsresort, sondern ein zweigeteiltes Land. Westlich von Faro dominiert der Kalkstein, der sich in bizarren Formationen gegen den Atlantik stemmt, während der Osten, die Sand-Algarve, in flache Lagunen und Dünenlandschaften übergeht. Wenn du die N125 befährst, die Lebensader der Region, spürst du den stetigen Wechsel zwischen dem Geruch von salziger Gischt und dem Duft von Zistrosen. Historisch ist dieser Küstenstreifen das Sprungbrett der Entdecker. In Sagres, am südwestlichsten Zipfel Europas, wähnte Heinrich der Seefahrer im 15. Jahrhundert das Ende der Welt. Heute navigierst du hier nicht mehr nach den Sternen, sondern nach GPS-Koordinaten, doch die Herausforderung bleibt: Der Wind zerrt mit Böen von bis zu 80 km/h an der Markise deines Wohnmobils. Die Küstentour ist für Camper attraktiv, weil sie Flexibilität erfordert. Große Schlachtschiffe über 7,50 Meter stoßen in den engen Gassen der Fischerdörfer schnell an ihre Grenzen. Wer jedoch langsam reist und die frühen Morgenstunden nutzt, findet zwischen den rötlichen Felsen der Fels-Algarve eine Lichtstimmung, die bereits die maurischen Eroberer faszinierte. Es ist eine Reise der Kontraste – vom rauen, fast schottisch anmutenden Westen bis hin zum beinahe mediterranen Flair der Ostalgarve.
Deine Reise im Detail
🏄Der Wind des Entdeckers: Sagres und das Ende der Welt
Dein Abenteuer beginnt am Cabo de São Vicente [37.0194, -8.9306]. Hier, wo die Leuchtturm-Optik 60 Kilometer weit über den Ozean strahlt, ist der Boden karg und die Luft schmeckt nach Salz. Parken direkt am Kap ist tagsüber möglich, aber das Übernachten ist streng untersagt und wird von der GNR (Guarda Nacional Republicana) mit Bußgeldern ab 120 Euro geahndet. Nutze stattdessen den offiziellen Stellplatz 'Orbitur Sagres' (ca. 18 €/Nacht inklusive Strom), der dir Windschutz hinter Pinien bietet. Kulinarisch führt kein Weg an der 'Vila do Bispo' vorbei: Probiere 'Percebes' (Entenmuscheln), die von mutigen Sammlern unter Einsatz ihres Lebens von den scharfen Klippen gekratzt werden. Das Kilo kostet auf dem Markt ca. 25 Euro. Besuche die Fortaleza de Sagres (Eintritt 3 €). In dem riesigen Rund der Festungsanlage hörst du nur das dumpfe Grollen der Wellen, die in die tiefen Felsschluchten peitschen. Es ist ein Ort, der Demut lehrt, bevor du dich auf den Weg Richtung Osten machst.
🏰Höhle und Chaos: Die Logistik der Benagil-Grotte
Die Fahrt nach Benagil [37.087, -8.423] führt dich weg von der rauen Westküste hin zu den ikonischen Postkartenmotiven. Hier ist Präzision gefragt: Die Zufahrtsstraßen zum Strand von Benagil sind eng und während der Saison zwischen 10:00 und 17:00 Uhr für Wohnmobile faktisch unpassierbar. Mein Rat: Parke dein Fahrzeug auf dem großen, unbefestigten Parkplatz oberhalb der Klippen (kostenlos, GPS: 37.088, -8.425) und gehe die letzten 500 Meter zu Fuß. Die Grotte selbst, die 'Algar de Benagil', mit ihrem kreisrunden Deckendurchbruch, ist nur vom Wasser aus zugänglich. Spare dir die großen Ausflugsboote, die nur kurz hineinfahren. Miete dir am Strand für ca. 30 Euro pro Stunde ein Kajak oder ein Stand-Up-Paddle-Board. Wenn du vor 09:00 Uhr morgens auf dem Wasser bist, teilst du dir das Lichtspektakel, wenn die Sonne exakt durch das 'Auge' der Höhle auf den goldenen Sand fällt, nur mit einer Handvoll Menschen. Nach 11:00 Uhr drängen sich bis zu 150 Boote pro Stunde in den kleinen Raum. Wanderer sollten den 'Seven Hanging Valleys Trail' nutzen. Die 12 Kilometer lange Strecke bietet Perspektiven auf die Felsnadeln, die du vom Fahrersitz aus nie erreichen würdest.
☀️Römische Brücken und Salzwiesen: Ankunft in Tavira
Die letzte Etappe führt dich nach Tavira [37.13, -7.63], der wohl authentischsten Stadt der Algarve. Hier weicht der Kalkstein dem Schwemmland der Ria Formosa. Der Stellplatz 'Algarve Motorhome Park Tavira' (ca. 12 €/Nacht) liegt strategisch günstig und bietet volle Entsorgungskapazitäten. In Tavira selbst dominieren 37 Kirchen und die berühmte römische Brücke mit ihren sieben Bögen das Stadtbild. Ein Muss für die Vorratskammer: Kaufe 'Flor de Sal' direkt bei den Salinen für ca. 4 Euro pro 500g Beutel. Die Salzwiesen sind ein Paradies für Vogelbeobachter; mit dem Fernglas entdeckst du hier im Frühjahr und Herbst Flamingos, die im seichten Brackwasser nach Nahrung suchen. Um zum Strand zu gelangen, musst du in ein kleines Boot steigen, das dich für 2 € (Hin- und Rückfahrt) zur Ilha de Tavira bringt. Dort gibt es keinen Autoverkehr, nur den Geruch von gegrillten Sardinen ('Sardinhas assadas') und den endlosen Blick auf den Atlantik, der hier deutlich zahmer ist als in Sagres. Tavira ist kein Ort für Hektik, es ist der Ort, um die Markise auszufahren und das Erlebte bei einem Glas 'Vinho Verde' Revue passieren zu lassen.
💡Praktische Tipps
- ✓Die A22 ist eine Mautstraße mit rein elektronischer Erfassung. Als ausländischer Camper solltest du dich an der Grenze (Vila Real de Santo António) über das 'EasyToll'-System registrieren, bei dem dein Kennzeichen mit deiner Kreditkarte verknüpft wird. Vermeide die N125 zur Stoßzeit zwischen 16:00 und 18:00 Uhr; sie ist unfallträchtig und führt oft durch enge Ortskerne mit tückischen Balkonen, die über die Fahrbahn ragen.
- ✓Meide den Juli und August. Die Temperaturen steigen über 35 Grad, und die Parkplatzsuche wird zum Albtraum. Die ideale Zeit ist der Mai oder der späte September bis Oktober. Das Licht ist weicher für Fotos, das Wasser mit 19 Grad noch badetauglich und die offiziellen Stellplätze haben ausreichend Kapazitäten ohne Vorreservierung. Im Winter (Januar/Februar) ist die Algarve fest in der Hand der Langzeit-Camper; hier sind beliebte Plätze oft wochenlang ausgebucht.
- ✓Portugal hat ein exzellentes Netzwerk an Entsorgungsstationen ('ASAs'). Supermärkte wie Intermarché verfügen oft über eigene Camper-Terminals für Wasser und Abwasser (meist 2 €) sowie günstige Waschsalons. Diesel ist in Portugal meist 10-15 Cent teurer als in Spanien – tanke also vor der Grenze voll, falls du von Osten kommst. Gasflaschen-Tausch ist schwierig; bringe ausreichend Adapter (Euro-Set) mit, da die portugiesischen Anschlüsse oft nicht mit deutschen Reglern kompatibel sind.
Auf einen Blick
Dauer
5-7 Days
Strecke
200 km
Schwierigkeit
Leicht
Highlights
- ⭐Benagil-Höhle
- ⭐Lagos Altstadt
- ⭐Sagres Kap