Routenverlauf
Über diese Tour
Die Donau ist in Österreich kein wilder Fluss mehr; sie ist eine gezähmte Lebensader, eingekreist von Kraftwerken und gesäumt von Treppelwegen, auf denen einst Pferde schwere Lastkähne stromaufwärts zogen. Zwischen Linz und Wien entfaltet sich auf 350 Kilometern ein Narrativ aus Granit, Weinreben und barocker Pracht. Während Radfahrer auf dem Donau-Radweg gegen den Westwind kämpfen, bietet das Wohnmobil die Freiheit, die Perspektive zu wechseln: oben die Ruinen auf den Felsen, unten der silberne Strom. Historisch betrachtet fährst du hier auf den Spuren der Römer, deren Limes-Grenze das Nordufer markierte. Der Geruch der Reise ist vielschichtig – er wechselt vom leicht metallischen Aroma des Linzer Hafens zum süßlichen Duft blühender Marillenbäume in der Wachau, untermalt vom steten Dieselsound der Flusskreuzfahrtschiffe. Für Camper ist diese Route logistisch komfortabel, erfordert aber Wachsamkeit bei der Wahl der Uferseite. Die B3 am Nordufer und die B1 am Südufer bieten völlig unterschiedliche Lichtverhältnisse und Zugangsmöglichkeiten zu den Uferpromenaden. Es ist eine Reise der Entschleunigung, bei der du das Tempo der Lastkähne annimmst, die mit 12 Knoten flussabwärts gleiten.
Deine Reise im Detail
🏛️Vom Stahl zum Barock: Linz und der Aufbruch in den Strudengau
Deine Reise beginnt in Linz [48.3069, 14.2858], einer Stadt, die den Geruch von heißem Eisen gegen das Aroma von moderner Kunst getauscht hat. Der Stellplatz am Donaupark (Hafenstraße) kostet ca. 25 Euro pro Nacht inklusive Strom, ist jedoch funktional und ohne viel Grün. Wer es ruhiger mag, weicht auf den Campingplatz Linz am Pichlinger See aus. Ein Muss in Linz ist nicht das Sightseeing-Programm, sondern die Fahrt mit der Pöstlingbergbahn, die sich mit einer Steigung von 11,6 % den Hausberg hinaufarbeitet. Die erste Etappe führt dich flussabwärts in den Strudengau. Hier verengt sich das Tal dramatisch. In Grein findest du den Campingplatz direkt am Fluss (Camping Grein, ca. 22 Euro), wo du nachts das Klatschen der Wellen gegen die Kaimauer hörst. Besuche das älteste Stadttheater Österreichs – es bietet Platz für nur 167 Personen und riecht nach altem Holz und Geschichte. Die Logistik ist hier einfach: Die B3 ist gut ausgebaut, aber Vorsicht in den engen Ortsdurchfahrten wie Enns, wo die Bürgerhäuser nah an die Fahrbahn rücken. Achte auf die Radfahrer, die hier oft in Gruppen die Straßenseite wechseln.
🍷Das Gold der Wachau: Stift Melk und die Weinterrassen
Hinter Ybbs öffnet sich das Tal und der gelbe Prunk von Stift Melk [48.2167, 15.3167] dominiert den Horizont. Das Benediktinerkloster thront auf einem Felsen aus Gneis und beherbergt eine Bibliothek mit über 100.000 Bänden. Parken mit dem Camper ist auf dem offiziellen Parkplatz P4 möglich, der speziell für große Fahrzeuge ausgewiesen ist (Tagesgebühr ca. 5 Euro, Übernachtung offiziell nicht gestattet). Du fährst nun in die Wachau [48.38, 15.56] ein, ein 36 Kilometer langes UNESCO-Welterbe. Hier wird die Straße schmaler. Die B3 führt dich direkt durch die Weinberge von Spitz und Weißenkirchen. Die Trockenmauern aus Gneis und Schiefer speichern die Hitze des Tages und geben sie nachts an die Riesling-Trauben ab. Ein strategischer Insider-Tipp: Nutze die Rollfähre in Spitz oder Weißenkirchen (ca. 15-20 Euro für Camper je nach Gewicht), um die Flussseite zu wechseln – die Perspektive vom Wasser aus ist die beste. In Dürnstein solltest du auf keinen Fall versuchen, mit dem Wohnmobil ins Zentrum zu fahren; die Gassen sind für 2,30 Meter breite Fahrzeuge eine Sackgasse. Nutze den großen Parkplatz östlich des Ortes. Abends empfiehlt sich ein Heurigenbesuch in einem der Winzerdörfer – die Preise für eine Brettljause liegen bei etwa 12 bis 15 Euro.
🎭Finale in der Kaiserstadt: Über Tulln nach Wien
Nach dem engen Durchbruchstal der Wachau weitet sich das Land bei Tulln. Hier bietet der Campingplatz Tulln (direkt neben der Garten Tulln) exzellente V/E-Möglichkeiten und großzügige Parzellen für ca. 30 Euro. Es ist der ideale Stopp, um die Vorräte aufzufüllen, bevor du Wien erreichst. Die Einfahrt nach Wien [48.2082, 16.3738] über die Klosterneuburger Straße ist staubig und verkehrsreich. Für den Aufenthalt in der Hauptstadt gibt es zwei logische Optionen: Camping Wien West (ruhig, am Waldrand, gute Anbindung an die U4) oder das Reisemobil-Stellplatz Wien in der Perfektastraße (perfekt für Stadtbesichtigungen, da direkt an der U6, ca. 28 Euro pro 24h). Wien ist für Camper eine Herausforderung; die Kurzparkzonen gelten im gesamten Stadtgebiet. Parke dein Fahrzeug und nutze die Wiener Linien. Ein Abend im Prater oder ein Besuch im Kaffeehaus Central beschließt die Tour. Die Distanz von 350 Kilometern mag kurz erscheinen, doch die Dichte an kulturellen Artefakten pro Kilometer ist so hoch, dass 5 Tage das Minimum für diese Route darstellen.
💡Praktische Tipps
- ✓Maut und Abmessungen: In Österreich benötigst du für Fahrzeuge bis 3,5t die Vignette (10 Tage ca. 11,50 Euro). Fahrzeuge über 3,5t zahlen kilometerabhängige Maut via Go-Box. Die B3 entlang der Donau ist mautfrei, aber teilweise eng. Die maximale Fahrzeuglänge sollte 7,50 Meter nicht überschreiten, wenn du in kleineren Orten wie Dürnstein oder Weißenkirchen einen Parkplatz finden willst. Brückenhöhen sind entlang der Hauptroute kein Problem, Vorsicht jedoch bei Unterführungen zu den Schiffsanlegestellen (oft nur 3,20 Meter).
- ✓Timing ist alles: Meide die Wachau am Pfingstwochenende oder während der Marillenblüte im April, wenn du keine Lust auf Stoßstangen-Verkehr und überfüllte Parkplätze hast. Die ideale Reisezeit ist der September. Die Temperaturen sind moderat (ca. 20 Grad), die Weinlese beginnt und der morgendliche Nebel über der Donau sorgt für ein diffuses Licht, das die gelben Barockfassaden besonders plastisch wirken lässt. Montags haben viele Heurige und Museen im ländlichen Bereich Ruhetag.
- ✓Versorgung und Autarkie: Die Dichte an Supermärkten (Billa, Spar, Hofer) ist hoch, meist mit großen Parkplätzen am Ortsrand ausgestattet. Eine Entsorgungsstation findet sich fast an jedem Campingplatz; freies Stehen ist in Niederösterreich und Wien strikt untersagt und wird mit Bußgeldern bis zu 500 Euro geahndet. Nutze die App 'Landvergnügen' (österreichisches Pendant 'Bauernleben'), um bei Winzern in der Wachau zu stehen – oft reicht der Kauf von sechs Flaschen Wein als 'Standgebühr'. Trinkwasser ist an fast allen Friedhöfen in hoher Qualität kostenlos verfügbar.
Auf einen Blick
Dauer
4-6 Tage
Strecke
350 km
Schwierigkeit
Leicht
Highlights
- ⭐Stift Melk
- ⭐Wachau Weinregion
- ⭐Krems & Wien