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Route des Grandes Alpes

5-7 Tage720 kmAnspruchsvoll
Routenverlauf

Routenverlauf

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Über diese Tour

Über diese Tour

Die Route des Grandes Alpes ist kein Ort für flüchtige Blicke. Sie ist ein 1911 vom Touring Club de France initiiertes Mammutprojekt, das ursprünglich dazu diente, die isolierten Alpentäler militärisch und touristisch zu erschließen. Wenn du den Zündschlüssel in Thonon-les-Bains umdrehst, startest du nicht nur eine Fahrt, sondern eine vertikale Odyssee. Du riechst den scharfen Duft von erhitzten Bremsbelägen bei der Abfahrt vom Col de l’Iseran und das kalte, metallische Aroma von ewigem Eis, während dein Motor im zweiten Gang gegen die 12 Prozent Steigung kämpft. Für dich als Camper bedeutet diese Route Arbeit. Die Straße ist schmal, oft nur fünf bis sechs Meter breit, gesäumt von unnachgiebigen Felswänden und hölzernen Leitschienen, die eher psychologischen als physischen Schutz bieten. Hier regiert die Physik: 3,5 Tonnen wollen bergauf gewuchtet und bergab kontrolliert werden. Die Belohnung ist kein simpler Panoramablick, sondern das tiefe Verständnis für die Topografie Europas. Du wechselst innerhalb weniger Tage von den saftigen Bergwiesen Savoyens, auf denen die Glocken der Abondance-Rinder läuten, in die karge, mondähnliche Steinwüste der Hochalpen und schließlich in die staubige, nach Rosmarin duftende Hitze der Seealpen. Es ist eine Reise der Kontraste. Morgens kratzt du vielleicht noch Reif von der Windschutzscheibe, während du nachmittags die Markisenstützen in den sandigen Boden der Provence bohrst. Die Route verlangt Wachsamkeit. Jeder Tunnel, jede Galerie und jede Kehre ist ein Dialog mit deinem Fahrzeug. Wer hier nur die Kilometer zählt, hat das Prinzip der Langsamkeit nicht verstanden. Die Route des Grandes Alpes ist die höchste Auszeichnung für jeden Wohnmobilisten, der sein Handwerk versteht.

Etappen

Deine Reise im Detail

🏔️Vom Genfer See in die Welt der Riesen: Der Start in Thonon-les-Bains

Deine Reise beginnt auf 372 Metern Höhe in Thonon-les-Bains. Bevor du die ersten Höhenmeter machst, steuere den Stellplatz 'Parking de la Plage' [46.3765, 6.4789] an. Für 14,50 Euro stehst du fußläufig zum Ufer des Genfer Sees. Nutze die Gelegenheit, um die Vorräte aufzustocken: Ein lokaler Reblochon-Käse und eine Flasche Mondeuse aus Savoyen gehören in jeden Kühlschrank, denn die Preise in den Hochalpen-Ressorts steigen proportional zur Höhe. Die erste ernsthafte Prüfung ist der Col des Gets (1.170 m). Er dient als Aufwärmübung für das, was folgt. Die Straße führt dich durch dichte Tannenwälder, der Geruch von feuchtem Moos und Holz schlägt durch das offene Fenster. In Cluses solltest du noch einmal volltanken – Diesel ist in den Tälern rund 20 Cent günstiger als an den wenigen Bergstationen. Die Architektur ändert sich hier schlagartig: Die verputzten Häuser des Tals weichen massiven Holz-Chalets. Ein wichtiger kulinarischer Halt ist das Dorf Beaufort. Hier wird der 'Prince des Gruyères' produziert. In der lokalen Kooperative [45.7172, 6.5714] kannst du den Hartkäse direkt ab Werk kaufen (ca. 22 Euro/kg). Du wirst die Energie brauchen, wenn du dich Richtung Cormet de Roselend schraubst. Die Straße verengt sich hier auf Passagen, bei denen Gegenverkehr mit einem anderen Alkoven-Mobil zentimetergenaue Präzision erfordert. Achte auf die gelben Postbusse – sie haben immer Vorrang, egal wie eng es ist.

🛣️Das Dach der Tour: Der Col de l’Iseran und die Schwerkraft

Der Höhepunkt – geografisch wie fahrerisch – ist der Col de l’Iseran. Mit 2.770 Metern ist er der höchste überfahrbare Punkt der Route. Hier oben ist der Sauerstoffgehalt spürbar niedriger, dein Turbodiesel wird etwas rauer laufen. Die Auffahrt von Val-d'Isère aus ist ein dramatisches Spektakel aus schroffen Schieferfelsen und Haarnadelkurven ohne nennenswerte Randbefestigung. Parke dein Mobil auf dem Schotterparkplatz am Pass [45.4172, 7.0308]. Es kostet nichts, außer Überwindung, bei dem pfeifenden Wind die Tür zu öffnen. Die Landschaft hier oben ist puristisch. Kein Baum, kein Strauch, nur Flechten und grauer Stein. Das Licht hat eine bläuliche, fast sterile Qualität. Wenn du wandern willst, nimm den Pfad Richtung Pointe des Lessières. Nach 45 Minuten Aufstieg blickst du auf die Gletscher der Vanoise. Die Stille wird nur vom Pfeifen der Murmeltiere unterbrochen. Die Abfahrt Richtung Süden nach Bonneval-sur-Arc ist eine Materialschlacht. Nutze konsequent die Motorbremse. Wer hier nur auf der Betriebsbremse steht, riskiert bei 10 Prozent Gefälle binnen zehn Minuten siedende Bremsflüssigkeit und wirkungsloses Pedalspiel. Bonneval-sur-Arc selbst ist eines der schönsten Dörfer Frankreichs, komplett aus Stein erbaut. Ein Stellplatz findet sich am Dorfeingang [45.3725, 7.0458] für 10 Euro pro Nacht. Es gibt keinen Strom, aber eine Aussicht, die jeden Luxus-Campingplatz blass aussehen lässt. Die Temperaturen fallen hier selbst im Juli nachts oft unter 5 Grad Celsius – stell sicher, dass deine Gasvorräte für die Heizung gefüllt sind.

🌊Das Finale: Durch die Seealpen zum Boulevard des Anglais

Hinter Briançon, der am höchsten gelegenen Stadt der EU (festungsartig von Vauban ausgebaut, Parken am 'Champ de Mars' [44.8994, 6.6433]), ändert sich das Klima. Die Luft wird trockener, die Felsen nehmen rötliche Töne an. Du überquerst den Col d’Izoard (2.360 m) und fährst durch die 'Casse Déserte', eine Erosionslandschaft, die eher an Arizona als an Europa erinnert. Der Geruch von erhitztem Asphalt vermischt sich jetzt mit wildem Thymian. Die finale Herausforderung ist der Col de Turini. Bekannt von der Rallye Monte Carlo, bietet er 34 Kehren auf engstem Raum. Mit einem Fahrzeug über 7 Meter Länge ist dieser Pass eine echte Herausforderung und erfordert oft das Zurücksetzen in den Kurven. Wenn du dir das nicht zutraust, wähle die Route über den Tunnel de Tende. Das Ziel Nizza empfängt dich mit einem Schock aus Lärm, Hitze und 30 Grad Wassertemperatur. Die Einfahrt in die Stadt über die M6007 bietet den ersten Blick auf das azurblaue Mittelmeer. Vermeide es, mit dem Wohnmobil direkt ins Zentrum zu fahren. Der Campingplatz 'Parc des Maurettes' in Villeneuve-Loubet [43.6339, 7.1265] kostet in der Hochsaison ca. 45 Euro, bietet aber eine S-Bahn-Anbindung nach Nizza (15 Minuten Fahrt). Am Abend sitzt du auf der Promenade des Anglais, blickst auf das Wasser und spürst noch immer das leichte Schwanken der Kurven in deinem Gleichgewichtssinn. Die Bremsen kühlen ab, die Reise ist zu Ende, aber der Stolz über 17 bezwungene Pässe bleibt.

Reisetipps

💡Praktische Tipps

  • ✓Dein Fahrzeug muss technisch einwandfrei sein. Prüfe vor dem Start die Bremsbeläge und die Kühlflüssigkeit. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen oder mehr als 7,50 Meter Länge stoßen an einigen Pässen (speziell Col du Galibier Tunnel und Col de Turini) an ihre physischen Grenzen. Es herrscht keine generelle Maut auf der Strecke, aber die Abnutzung von Reifen und Bremsen ist kalkulatorisch mit etwa 150 Euro für die Gesamtdistanz anzusetzen. Nutze in den Kehren die gesamte Straßenbreite, sofern kein Gegenverkehr kommt, um den Wendekreis zu optimieren.
  • ✓Die Pässe sind meist erst ab Anfang Juni schneefrei und schließen oft schon Mitte Oktober. Die ideale Zeit ist die zweite Juni-Hälfte oder der September. Im Juli und August verstopfen tausende Radfahrer und Motorradgruppen die schmalen Straßen. Wenn du im Juni fährst, erlebst du die Schneewände am Straßenrand des Iseran, die oft noch drei Meter hoch sind. Achtung: Während der Tour de France (meist Juli) sind ganze Abschnitte tagelang für Camper gesperrt – informiere dich vorab über den Streckenverlauf des Rennens.
  • ✓Versorgung ist in den Tälern unproblematisch, auf den Pässen unmöglich. Tanke immer, wenn dein Tank halb leer ist. Die Supermärkte 'Casino' oder 'Intermarché' in Bourg-Saint-Maurice und Briançon bieten die letzten großen Versorgungsstellen vor den langen Passetappen. Grauwasser-Entsorgung findest du oft an kommunalen Stellplätzen (Aire de Services), jedoch selten auf den Passhöhen. Ein Vorrat an 12V-Ersatzsicherungen ist ratsam, da die Erschütterungen auf den teilweise rauen Teerbelägen die Elektrik fordern können.

Auf einen Blick

⏱️

Dauer

5-7 Tage

📏

Strecke

720 km

🏔️

Schwierigkeit

Anspruchsvoll

Highlights

  • ⭐Col de l'Iseran (2.770m)
  • ⭐Mont Blanc Blick
  • ⭐Nizza & Côte d'Azur
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