Routenverlauf
Über diese Tour
Wer zum ersten Mal auf die Romantische Straße einbiegt, spürt es sofort: Dieses Stück Deutschland hat eine andere Taktung. Zwischen Würzburg und Füssen entfalten sich 460 Kilometer wie ein langsam aufgeblättertes Geschichtsbuch – nur dass hier die Seiten aus Sandstein, Fachwerk und Alpengranit gemauert sind. Die Route wurde 1950 als Ferienstraße konzipiert, ursprünglich für amerikanische Soldaten, die das unzerstörte Deutschland kennenlernen wollten. Heute ist sie die meistbefahrene Touristikstraße des Landes, und trotzdem – oder gerade deshalb – eine Route, die man im Wohnmobil ganz anders erlebt als im Reisebus. Der entscheidende Unterschied: Du bestimmst den Rhythmus. Kein Guide, der Dich nach 20 Minuten wieder in den Bus zitiert. Stattdessen parkst Du Dein Wohnmobil auf dem Stellplatz vor den Stadtmauern von Rothenburg, gehst durch das Klingentor und hast die Gassen ab 19 Uhr praktisch für Dich allein. Du wachst morgens auf einem Weingut im Taubertal auf, mit Blick auf Rebstöcke, die im Morgendunst wie in Watte gepackt wirken. Du kochst Dir Abends auf einem Bergparkplatz oberhalb von Füssen Pasta, während Neuschwanstein im letzten Licht den Farbton wechselt – von Honiggelb zu Blassrosa. Die Romantische Straße durchquert drei komplett verschiedene Landschaftsräume: das fränkische Weinland mit seinen warmen Muschelkalkböden, das schwäbische Hügelland mit seinen wehrhaften Reichsstädten und das Alpenvorland, wo die Straße plötzlich ansteigt und der Horizont sich in gezackte Gipfel verwandelt. Für Wohnmobilfahrer bedeutet das: leichte, entspannte Fahrstrecken im Norden (kaum Steigungen, breite Landstraßen), moderates Kurvenfahren durch die mittelalterlichen Stadtlandschaften der Mitte, und im Süden eine zunehmend alpine Dramaturgie, die aber technisch nie anspruchsvoll wird. Die Infrastruktur ist exzellent. Entlang der gesamten Route finden sich kommunale Wohnmobilstellplätze, oft in fußläufiger Entfernung zu den Altstädten. Viele kosten zwischen 8 und 15 Euro pro Nacht, einige bieten Strom und Frischwasser inklusive. Die Ver- und Entsorgung ist unkompliziert – an der Romantischen Straße hat man Camper-Tourismus verstanden. Die Beschilderung der Route ist durchgehend mit dem braunen Hinweisschild "Romantische Straße" markiert, Du kannst also auch ohne Navi der Wegweisung folgen. Allerdings: Das offizielle Routing ist nicht immer das schönste. Wer die reizvolleren Nebenstrecken kennt (und wir zeigen sie Dir), der fährt oft auf einspurigen Sträßchen durch Dörfer, die kein Navi dieser Welt als Route vorschlagen würde.
Deine Reise im Detail
🏰Von den Weinbergen zu den Türmen
Der Startpunkt Würzburg gibt den Ton vor: eine Stadt, die Eleganz und Bodenständigkeit verbindet wie kaum eine andere in Franken. Die fürstbischöfliche Residenz – das größte zusammenhängende Deckenfresko der Welt von Tiepolo spannt sich über dem Treppenhaus – ist der kulturelle Auftakt. Aber Würzburg ist vor allem eine Weinstadt. Bevor Du losfährst, lohnt sich ein Abend auf der Alten Mainbrücke, wo die Würzburger ihren Silvaner aus Bocksbeuteln trinken und auf die Festung Marienberg blicken. Der Stellplatz am Mainufer (GPS: 49.7938, 9.9286) liegt zehn Gehminuten von der Brücke entfernt und bietet Ver- und Entsorgung. Ab Würzburg führt die Route durch das Taubertal, und hier beginnt das, was die Romantische Straße eigentlich ausmacht: der Kontrastwechsel. Die Landschaft wechselt von Weinbergen zu Weizenfeldern, von Muschelkalk zu Buntsandstein. In Tauberbischofsheim lohnt ein Stopp an der historischen Kurmainzischen Amtskellerei – nicht wegen des Gebäudes, sondern wegen der kleinen Bäckerei Scheuermann schräg gegenüber, die seit vier Generationen Dinkelvollkornbrot in einem Holzofen bäckt. Der Duft zieht bis auf die Straße. Bad Mergentheim war jahrhundertelang Sitz des Deutschen Ordens. Das Schloss erzählt diese Geschichte nüchtern und gut. Weiter durch Weikersheim (der Schlossgarten ist ein unterschätztes Barockjuwel, Eintritt 6 Euro, Parkplatz für Wohnmobile am Sportplatz) nach Creglingen. Hier steht in der Herrgottskirche ein Riemenschneider-Altar, der einem den Atem nimmt – das Holz ist so fein geschnitzt, dass man schwören würde, der Stoff der Gewänder bewege sich. Der Parkplatz an der Kirche fasst drei Wohnmobile, mehr nicht. Früh da sein. Dann Rothenburg ob der Tauber: der touristische Höhepunkt des Nordens und gleichzeitig der Ort, an dem sich entscheidet, ob man die Romantische Straße liebt oder hasst. Zwischen 10 und 17 Uhr schieben sich Reisegruppen durch die Plönlein-Gasse. Schneider's Weihnachtsladen ist das ganze Jahr über geöffnet und riecht nach Zimt und Kunstharz. Aber: Abends, wenn die Busse weg sind, verwandelt sich Rothenburg in etwas Echtes. Die Laternen werfen warmes Licht auf das Kopfsteinpflaster. Der Nachtwächter führt seine Tour (21:30 Uhr, Marktplatz, auf Deutsch, kostenlos). Der Stellplatz P2 an der Altstadt (GPS: 49.3766, 10.1761) ist der beste – ebener Schottergrund, Stromanschluss, 13 Euro, fünf Minuten zum Klingentor. Der große Stellplatz an der Tauber (P4) ist billiger, aber der Fußweg in die Stadt führt steil bergauf.
🍷Fachwerk, Krater und Fuggerei
Südlich von Rothenburg verändert sich der Charakter der Route. Die fränkische Gemütlichkeit weicht einer schwäbischen Gründlichkeit, die sich in den perfekt erhaltenen Stadtmauern und Wehrtürmen äußert. Dinkelsbühl ist der erste Ort, der Dich hier anhält – und möglicherweise länger als geplant. Die Altstadt ist vollständig von einer Stadtmauer umgeben, die man zu Fuß in 45 Minuten umrunden kann. Dabei passiert man 16 Türme und das Nördlinger Tor, durch das Dein Wohnmobil definitiv nicht passt (Durchfahrtshöhe 3,20 Meter, und das ist optimistisch gemessen). Parke auf dem ausgeschilderten Wohnmobilstellplatz am Wörnitzufer. Von dort sind es zehn Minuten zu Fuß zum Münster St. Georg. Was Dinkelsbühl von Rothenburg unterscheidet: die Ruhe. Hier gibt es keine Souvenir-Weihnachtsläden und deutlich weniger Busgruppen. Dafür eine Gastronomie, die sich auf lokale Qualität konzentriert. Das Gasthaus Goldene Rose serviert fränkische Maultaschen, die nichts mit der schwäbischen Variante zu tun haben – kleiner, dichter, mit einem Hauch Muskat im Brät. Nördlingen liegt in einem 15 Millionen Jahre alten Meteoritenkrater. Das ist keine touristische Übertreibung, sondern Geologie: Der Ries-Krater hat einen Durchmesser von 25 Kilometern, und Nördlingen sitzt mittendrin. Vom Kirchturm Daniel (90 Meter, 350 Stufen, kein Aufzug) sieht man den Kraterrand als sanften Hügelkranz am Horizont. Die Stadtmauer ist die einzige in Deutschland, die man vollständig begehbar umrunden kann – 2,7 Kilometer auf der Mauerkrone. Der Wohnmobilstellplatz außerhalb des Berger Tors ist funktional und günstig (10 Euro mit Strom). Harburg, oft übersehen, bietet eine der ältesten und besterhaltenen Burganlagen Süddeutschlands. Die Stauferburg thront über dem Wörnitztal wie eine Illustration aus einem mittelalterlichen Manuskript. Der Parkplatz unterhalb der Burg hat Platz für etwa zehn Wohnmobile, aber ab 10 Uhr wird es eng. Donauwörth markiert den Übergang an die Donau. Die Reichsstraße ist die Prachtmeile – bunte Giebelhäuser, meist aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Kulinarisch lohnt sich hier das Café Engel für hausgemachten Zwetschgendatschi. Dann Augsburg: zweitausend Jahre Geschichte, komprimiert in eine Stadt, die oft im Schatten Münchens steht und genau deshalb ein Geheimtipp ist. Die Fuggerei, die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt (Jahreskaltmiete: 0,88 Euro, seit 1520), ist ein Pflichtbesuch. Das Rathaus mit seinem Goldenen Saal gehört zu den Hauptwerken der Renaissance nördlich der Alpen. Augsburg hat drei Wohnmobilstellplätze; der am Plärrer-Gelände (GPS: 48.3635, 10.8920) ist zentral, aber laut bei Volksfesten. Besser: Der Stellplatz am Autobahnsee im Osten der Stadt – ruhig, mit Badesee, 12 Euro.
⛰️Alpendämmerung und Königsschlösser
Ab Landsberg am Lech beginnt die Transformation. Die Hügel werden steiler, die Luft riecht anders – nach Nadelholz und feuchtem Gras statt nach warmem Getreide. Landsberg selbst ist ein Barockstädtchen, das sich am steilen Lechufer festkrallt. Das Bayertor, eines der schönsten Stadttore Süddeutschlands, markiert die höchste Stelle der Altstadt. Von dort fällt der Blick über Ziegeldächer hinab zum türkisblauen Lech – ein Farbton, den man sonst nur von Gletscherflüssen kennt, und genau das ist er auch. Die Fahrt von Landsberg nach Schongau führt durch Moränenlandschaft: sanft gewellte Wiesen, durchsetzt mit Einzelhöfen und Zwiebelturmkirchen. Zwischen den Hügeln blitzen immer wieder die Alpengipfel auf – erst als blasse Silhouette, dann immer konkreter. In Schongau lohnt sich ein Halt nur, wenn man die vollständig erhaltene Stadtmauer sehen will (die meisten Touristen überspringen den Ort). Der wahre Stopp liegt zehn Kilometer weiter: die Wieskirche. Die Wieskirche ist UNESCO-Welterbe und eines der vollkommensten Rokokobauwerke Europas. Von außen ein einfacher bayerischer Kirchenbau mit weiß getünchten Wänden. Drinnen explodiert die Decke in Farbe: Dominikus Zimmermanns Fresken sind so bewegt, dass man meint, der Himmel sei offen. Der Parkplatz fasst auch große Wohnmobile, es gibt eine Höhenbegrenzung von 4 Metern, die aber großzügig ausgelegt ist. Die Kirche ist kostenfrei, eine Spende von 2 Euro wird erbeten. Von der Wieskirche sind es noch 30 Kilometer bis Schwangau, und diese letzten Kilometer sind die dramatischsten der gesamten Route. Die Straße steigt an, links und rechts erheben sich die ersten echten Alpengipfel, und dann – zwischen den Bäumen – erscheint Neuschwanstein. Ludwig II. baute sein Märchenschloss zwischen 1869 und 1886 auf einem Felssporn über der Pöllatschlucht. Aus der Nähe ist es weniger ein Schloss als eine Theaterkulisse: Die Fassade ist im Kern eine Stahlkonstruktion, verkleidet mit hellem Kalkstein. Die Räume sind nur zu einem Drittel fertiggestellt – Ludwig starb, bevor sein Traum vollendet wurde. Der Camper-Hack für Neuschwanstein: Vermeide den Parkplatz P4 in Schwangau (teuer, überfüllt ab 9:30 Uhr). Fahre stattdessen zum Wanderparkplatz Tegelbergbahn (GPS: 47.5630, 10.7880). Von dort führt ein Fußweg in 25 Minuten zur Marienbrücke, dem Aussichtspunkt, von dem das ikonische Neuschwanstein-Foto geschossen wird. Und Du kommst von oben – die Busgruppen steigen von unten hoch. Tickets für die Innenbesichtigung online buchen, mindestens zwei Wochen im Voraus (www.hohenschwangau.de), vor Ort ist ausverkauft. Füssen, der Endpunkt, ist eine Überraschung. Die meisten Touristen rasen durch auf dem Weg zu den Schlössern. Dabei hat Füssen eine der schönsten Altstädte am Alpenrand: Enge Gassen mit bemalten Fassaden, das Hohe Schloss auf dem Felsen, und der Forggensee, der im Sommer zum Baden einlädt. Der Wohnmobilstellplatz Füssen (GPS: 47.5712, 10.6836) liegt am Ufer des Hopfensees – einer der schönsten Schlafplätze der gesamten Route. 15 Euro mit Strom, Blick auf die Berge, Badestrand in 50 Metern.
💡Praktische Tipps
- ✓Für Wohnmobile über 7 Meter werden die historischen Altstädte zur Herausforderung: In Rothenburg, Dinkelsbühl und Nördlingen sind die Tordurchfahrten auf maximal 3,20 Meter Höhe und 2,50 Meter Breite begrenzt. Nutze konsequent die ausgeschilderten Wohnmobilstellplätze vor den Mauern – die meisten bieten Ver- und Entsorgung und liegen maximal zehn Gehminuten vom Zentrum entfernt. Die Strecke selbst ist für alle Mobil-Größen problemlos befahrbar, einzige Ausnahme: Einige der von uns empfohlenen Nebenstrecken im Taubertal sind einspurig mit Ausweichbuchten. Mit einem 7,5-Meter-Teilintegrierten passt das noch, darüber wird es eng. Die offiziell beschilderte Hauptroute ist durchgehend mindestens zweispurig.
- ✓Die goldene Regel für die Romantische Straße lautet: Starte früh, sei vor 10 Uhr an den Hotspots. Neuschwanstein ist ab 9:30 Uhr eine Massenveranstaltung, Rothenburg ab 10:00 Uhr. Plane Deinen Rhythmus so, dass Du die touristischen Highlights morgens oder abends besichtigst und die Fahrtstrecken tagsüber absolvierst. Die besten Stellplätze (insbesondere P2 in Rothenburg und der Hopfensee-Platz in Füssen) sind in der Hauptsaison (Juli/August) ab 16 Uhr voll – früh ankommen oder in die Nebensaison ausweichen. Mai und September bieten das beste Verhältnis aus Wetter, Verfügbarkeit und Ruhe.
- ✓Ver- und Entsorgung entlang der Route: In Würzburg am Stellplatz Mainufer, in Bad Mergentheim am Stellplatz Erlenbachweg, in Dinkelsbühl am Wörnitzufer, in Nördlingen am Berger Tor, in Augsburg am Plärrer, in Füssen am Hopfensee. Der Abstand zwischen den Stationen beträgt nie mehr als 80 Kilometer. Frischwasser ist an allen Stationen kostenlos oder für 1 Euro verfügbar, Entsorgung überall kostenfrei. Diesel tankt man am günstigsten an den freien Tankstellen entlang der B25 und B17 – die Markentankstellen in den Innenstädten verlangen bis zu 15 Cent mehr pro Liter.
Auf einen Blick
Dauer
5-7 Tage
Strecke
460 km
Schwierigkeit
Leicht
Highlights
- ⭐Rothenburg ob der Tauber
- ⭐Schloss Neuschwanstein
- ⭐Würzburger Residenz