Routenverlauf
Über diese Tour
Dänemark ist klein, doch die Margeritenroute ist eine Lektion in geografischer Dehnung. Als Königin Margrethe II. die Strecke 1991 einweihte, schuf sie kein schnelles Asphaltband, sondern eine Hommage an das dänische Hinterland. Auf 3.500 Kilometern meidet der Weg konsequent Autobahnen. Stattdessen fährst du durch Alleen, in denen das Licht durch Buchenkronen flackert, und über Deiche, hinter denen die Nordsee grau und schwer gegen den Beton drückt. Der Geruch von Rapsfeldern im Juni mischt sich mit dem beißenden Salz der Gischt. Für dich als Camper bedeutet die Route eine logistische Entscheidung: Du wirst die 3.500 Kilometer in 14 Tagen nicht 'bezwingen'. Wer das versucht, sieht nur Straßenschilder. Die Route funktioniert wie ein Menü, aus dem du dir Gänge wählst. Die Straßenbreite variiert oft auf unter sechs Meter, was bei Gegenverkehr mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen Millimeterarbeit erfordert. Hier zählt nicht die Ankunftszeit, sondern die Fähigkeit, das Lenkrad locker zu lassen, wenn die Fahrbahn hinter der nächsten Kurve im Dünensand zu verschwinden scheint. Die Margeritenroute ist kein Transit, sie ist der totale Verzicht auf Effizienz zugunsten der Textur der Landschaft.
Deine Reise im Detail
🌼Kopenhagen und Seeland: Urbaner Start und das Echo der Wikinger
Dein Startpunkt ist Kopenhagen, eine Stadt, die für Wohnmobile eine Herausforderung darstellt. Parke nicht in der Innenstadt. Nutze den 'CPH City Camp' auf Refshaleøen [55.6923, 12.6121]. Für ca. 45 Euro pro Nacht stehst du auf Asphalt, blickst aber direkt auf das Wasser. Von hier aus hörst du das metallische Klacken der Fahrräder auf der Inderhavnsbroen. Kulinarisch startest du nicht mit Hotdogs, sondern suchst dir ein echtes Smørrebrød mit geräuchertem Aal und Rührei – rechne mit 15 bis 20 Euro pro Portion. Die Route führt dich südlich aus der Stadt heraus Richtung Møns Klint. Die weißen Kreidefelsen ragen 128 Meter steil aus der Ostsee empor. Der Parkplatz am Geocenter [54.9645, 12.5524] kostet für Camper ca. 8 Euro Tagesgebühr. Der Abstieg über die 497 Stufen zum Strand ist ein Muss, um die Fossilien zwischen dem Feuerstein zu suchen. Warnung: Übernachten ist hier streng verboten und wird kontrolliert. Fahre stattdessen zum 'Camp Møns Klint', wo du für etwa 38 Euro einen Stellplatz findest, der nachts absolute Dunkelheit garantiert, ideal für Astrofotografie.
🏰Fünen und Schloss Egeskov: Renaissance auf Reifen
Um von Seeland nach Fünen zu gelangen, überquerst du die Storebæltsbroen. Die Maut beträgt für Fahrzeuge bis 6 Meter Länge und 3,5 Tonnen ca. 35 Euro, darüber verdoppelt sich der Preis fast auf 82 Euro – misfahre niemals die Längensensoren, sie sind gnadenlos. Auf Fünen angekommen, führt die Margeritenroute dich zum Schloss Egeskov [55.1762, 10.4891]. Es ist kein staubiges Museum, sondern eine lebendige Wasserburg von 1554, gestützt auf Tausende von Eichenpfählen. Der Parkplatz ist großzügig dimensioniert und für Tagesgäste kostenlos. Der Geruch von Buchsbaum und feuchtem Wassergraben liegt in der Luft. Besuche die Oldtimer-Sammlung im Nebengebäude – für dich als Technik-Fan ist die Entwicklung der Camping-Fahrzeuge dort besonders aufschlussreich. Wenn du wandern willst, bietet der Schlosspark kilometerlange Wege durch Heckenlabyrinthe. Für die Nacht steuerst du den 'Bøjden Strand Camping' an. Er liegt direkt am Kleinen Belt und bietet Entsorgungsstationen, die so sauber sind, dass sie den Michelin-Standard für Sanitäranlagen erfüllen würden. Die Stellplatzgebühr von ca. 40 Euro beinhaltet den Blick auf die Segelboote, die wie weiße Punkte auf dem tiefblauen Wasser tanzen.
🌊Jütland bis Skagen: Wo zwei Meere sich bekriegen
Der Weg nach Norden durch Jütland ist geprägt von Heidelandschaften und dem ständigen Wind von Westen, der dein Wohnmobil leicht erzittern lässt. Die Route endet in Skagen, an der Landspitze Grenen [57.7441, 10.63]. Hier treffen Skagerrak und Kattegat aufeinander. Du siehst, wie die Wellen aus zwei Richtungen gegeneinander schlagen – ein visuelles Phänomen, das keine Kamera vollends einfängt. Das Licht hier oben hat eine Intensität, die schon die Skagen-Maler des 19. Jahrhunderts faszinierte; es ist ein hartes, weißes Licht, das jeden Umriss scharf zeichnet. Parke auf dem großen Stellplatz direkt am Ende der Straße (ca. 4 Euro pro Stunde). Gehe zu Fuß die zwei Kilometer bis zur Spitze, statt den 'Sandormen'-Traktorbus zu nehmen. Du spürst den Sand zwischen den Zähnen und hörst das Brüllen der Brandung. In Skagen Stadt solltest du den frisch gefangenen Fisch direkt am Hafen bei 'Skagen Fiskerestaurant' essen – die Fischfrikadellen sind legendär. Zum Übernachten ist 'Camp Skagen' [57.7188, 10.5739] die erste Wahl. Mit 35 Euro pro Nacht bist du dabei. Die Abreise erfolgt meist über die E45 gen Süden, doch die Stille von Grenen wird dich noch bis zur Grenze begleiten.
💡Praktische Tipps
- ✓Achte penibel auf die Fahrzeugmaße. Die Margeritenroute führt über Brücken wie die 'Munkholmbroen', die schmal sind. Hast du ein Fahrzeug über 3,5 Tonnen oder über 2,50 Meter Breite, musst du oft ausweichen oder Zentimeterarbeit leisten. Mautschranken an der Storebælt-Brücke messen per Laser; ein Fahrradträger kann dich in die teurere Kategorie über 6 Meter befördern. Tipp: Fahrräder nach Möglichkeit so montieren, dass die Gesamtlänge die 6-Meter-Marke nicht knackt, um 47 Euro pro Überquerung zu sparen.
- ✓Die beste Reisezeit ist der Juni. Warum? Die 'Weißen Nächte' sorgen dafür, dass es im Norden Dänemarks kaum richtig dunkel wird. Du hast 18 Stunden Tageslicht für deine Etappen. Vermeide die dänischen Schulferien (Juli), da die Stellplätze an der Margeritenroute oft Monate im Voraus ausgebucht sind. Im September schließen bereits viele kleinere Museen und Cafés entlang der Strecke, dafür sinken die Preise für die Fähren deutlich.
- ✓Dänemark ist bargeldlos. Selbst das kleinste Eis am Kiosk zahlst du mit Karte. In Sachen Versorgung: Die Supermärkte 'Netto' und 'Føtex' haben oft breite Parkplätze für Wohnmobile. Entsorgungsstationen ('Tømmestation') findest du an fast jeder größeren Autobahnraststätte, auch wenn die Route diese meidet. Ein kleiner Umweg von 5 km auf die E45 spart oft die Suche nach einer Entsorgungsmöglichkeit auf dem Land. Trinkwasser an Tankstellen ist meist kostenlos, aber frage immer kurz höflich nach.
Auf einen Blick
Dauer
10-14 Days
Strecke
3500 km
Schwierigkeit
Leicht
Highlights
- ⭐Schloss Egeskov
- ⭐Møns Klint
- ⭐Skagen