Routenverlauf
Über diese Tour
Tasmanien ist kein Ort für Eilige. Wer hier mit dem Wohnmobil landet, spürt sofort den harten Kontrast zwischen der zivilisierten Ordnung Hobarts und der rohen Gewalt des Südpolarmeeres. Die Insel, die einst als Schreckgespenst des britischen Empires galt, hat sich ihre Wildheit bewahrt. Du riechst den scharfen Duft von Eukalyptus, der sich mit dem salzigen Spray der Tasmanischen See vermischt. Historisch betrachtet war die Insel eine einzige große Gefängniszelle, heute ist sie ein Refugium für Naturliebhaber. Im Camper erlebst du die Topografie besonders intensiv: Die Straßen sind schmal, oft windungsreich und fordern dein Getriebe auf den Pässen der Central Highlands heraus. Es geht nicht um Höchstgeschwindigkeiten, sondern um das Manövrieren durch Landschaften, die sich alle 50 Kilometer radikal ändern. Von den schneeweißen Stränden der Bay of Fires bis zu den tiefschwarzen Seen im Landesinneren bietet Tasmanien eine Dichte an Eindrücken, die auf dem australischen Festland oft Tausende von Kilometern Fahrt erfordern. Hier oben, auf dem Fahrersitz, blickst du auf eine Flora, die teilweise noch aus der Zeit des Superkontinents Gondwana stammt. Die Insel belohnt jene, die autark stehen können und den Mut haben, die asphaltierten Hauptwege für einen Abstecher auf die Schotterpisten zu verlassen.
Deine Reise im Detail
🏔️Von Hobarts Sandstein zu den Schatten der Geschichte
Deine Reise beginnt in Hobart (-42.8821, 147.3272). Die Stadt atmet Geschichte, besonders am Salamanca Place, wo die alten Speicherhäuser aus Sandstein heute Cafés beherbergen. Ein erster Stopp für Vorräte ist der Farm Gate Market – hier deckst du dich mit lokalen Erzeugnissen ein, bevor es in die Wildnis geht. Die Fahrt führt dich 95 Kilometer südöstlich nach Port Arthur (-43.15, 147.85). Die Gebühr für den Nationalparkpass (ca. 50 Euro pro Fahrzeug für zwei Monate) ist obligatorisch und wird an den Parkgrenzen kontrolliert. Port Arthur ist ein Ort der Stille und der Schauer. Die Ruinen des Zuchthauses aus dem Jahr 1830 stehen in krassem Gegensatz zum gepflegten englischen Rasen. Übernachten kannst du auf dem NRMA Port Arthur Holiday Park (ca. 35-45 Euro pro Nacht). Ein wichtiger Warnhinweis: Die Straßen auf der Tasman-Halbinsel werden nach Sonnenuntergang zur Gefahrenzone für Wildtiere. Wombats und Wallabys kreuzen unvorhersehbar die Fahrbahn. Kulinarisch ist der "Doo-Lishus" Food Truck an der Eaglehawk Neck eine echte Empfehlung für Fish & Chips, während du den Blick auf die gewaltigen Felsformationen der "Tessellated Pavement" genießt.
🦔Granitfelsen und die Stille der Urzeit-Seen
Die Route führt dich weiter nach Norden zum Freycinet National Park (-42.1167, 148.2833). Die "Hazards", eine Bergkette aus rosa Granit, leuchten im Abendlicht besonders intensiv. Der Parkplatz am Wineglass Bay Lookout ist oft überfüllt; komm mit deinem Camper vor 9 Uhr morgens an, wenn du einen Platz für ein Fahrzeug über 6 Meter Länge suchst. Die Wanderung zum Aussichtspunkt dauert etwa 45 Minuten und erfordert Trittsicherheit auf den glatten Granitstufen. Von Freycinet ziehst du weiter ins Herz der Insel zum Cradle Mountain-St Clair National Park (-41.6429, 145.9433). Das Wetter schlägt hier innerhalb von Minuten von Sonnenschein in eisigen Regen um. Dein Wohnmobil parkt am Visitor Centre; die Weiterfahrt zum Dove Lake ist für Privatfahrzeuge gesperrt. Nutze den Shuttle-Bus. Die Wanderung um den Dove Lake unterhalb der markanten Doppelspitze des Cradle Mountain bietet sensorische Highlights: das Knirschen von weißem Quarzsand und den würzigen Geruch von King Billy Pines. Die Temperaturen sinken nachts oft unter den Gefrierpunkt, stelle also sicher, dass deine Gasvorräte für die Standheizung gefüllt sind. Der Stellplatz am Discovery Parks Cradle Mountain kostet rund 40 Euro, bietet aber die nötige Infrastruktur für die raue Umgebung.
🍷Rückkehr durch das zerklüftete Hochland
Der Rückweg nach Hobart führt über den Lyell Highway. Diese Strecke ist eine technische Herausforderung für jeden Fahrer: steile Anstiege und Haarnadelkurven dominieren das Bild. Du passierst Queenstown, eine Stadt, die durch den historischen Bergbau eine fast mondähnliche, entwaldete Umgebung erhalten hat – ein erschreckendes Mahnmal der Industriegeschichte. Weiter östlich erreichst du Lake St Clair, den tiefsten Süßwassersee Australiens. Hier herrscht eine fast melancholische Ruhe. Ein kurzer Stopp bei "The Wall in the Wilderness" in Derwent Bridge zeigt eine 100 Meter lange Holzskulptur, die die Pioniergeschichte der Region erzählt (Eintritt ca. 9 Euro). Die letzten 150 Kilometer folgen dem Lauf des Derwent River zurück nach Hobart. Die Zivilisation holt dich langsam wieder ein, während du durch Apfelplantagen und Hopfenfelder fährst. Deine Reise endet dort, wo sie begann, aber das Gefühl für die unerbittliche Natur Tasmaniens wird dich noch lange begleiten. Die Rückgabe des Campers erfolgt meist in Flughafennähe, wo du auch die letzte Entsorgungsstation (Dump Point) findest, bevor du die Insel verlässt.
💡Praktische Tipps
- ✓Fahrzeuge über 7 Meter Länge haben auf den Serpentinen des Lyell Highway und der engen Zufahrt zum Mount Wellington echte Probleme. Achte auf eine leistungsstarke Motorbremse, um die Bremsbeläge bei den langen Abfahrten nicht zu überhitzen. Mautgebühren gibt es in Tasmanien nicht, dafür sind die National Park Passes essenziell. Prüfe vor Abfahrt die Profiltiefe deiner Reifen; Schotterstraßen zu entlegenen Trailheads sind oft grobkörnig und scharfkantig.
- ✓Die beste Reisezeit ist von Dezember bis März (australischer Sommer). Die Temperaturen liegen bei moderaten 15-22 Grad, ideal für Wanderungen. Vermeide die Osterferien, da die Stellplätze in den Nationalparks Monate im Voraus ausgebucht sind. Im Winter (Juni bis August) sind viele Pässe im Hochland schneebedeckt und erfordern Schneeketten – eine Seltenheit in Australien, aber in Tasmanien bittere Realität.
- ✓Tankstellen sind im Westen und im Hochland extrem rar. Die goldene Regel: Tanke nie unter einem halbvollen Tank. Große Supermärkte findest du nur in Hobart, Devonport und Launceston. Dazwischen gibt es nur kleine General Stores mit sehr eingeschränktem Sortiment und hohen Preisen. Öffentliche Entsorgungsstationen (Dump Points) sind gut verteilt, oft an den lokalen 'Showgrounds' gegen eine Gebühr von ca. 3 Euro zugänglich.
Auf einen Blick
Dauer
10-14 Tage
Strecke
1.200 km
Schwierigkeit
Mittel
Highlights
- ⭐Cradle Mountain
- ⭐Freycinet
- ⭐MONA